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Empfehlung für einen geringeren Fleischkonsum

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) entwickeln sich normalgewichtige Bürgerinnen und Bürger zu einer Minderheit.  Als Hauptursache wird eine Ernährung mit »deutlich zu viel[en] Süßigkeiten, Salz und proteinreiche[n] Lebensmittel[n] wie Fleisch, Wurst und Käse« genannt.  Die Welternährungsorganisation FAO identifiziert die sogenannte Nutztierhaltung zusätzlich als einen der Hauptverursacher von Treibhausgasen.

Wir haben die Parteien gefragt, ob sie sich vor diesen Hintergründen für eine Verringerung des Fleischkonsums einsetzen.

Was sagen die Parteien?

CDU/CSU: Verbraucherschutz und Gesundheitsschutz gehören für uns zusammen. Wir wollen die Bürger weiterhin dabei unterstützen, sich gut zu ernähren und nachhaltig zu leben. Deshalb treten wir für eine informative Lebensmittel- und Nährwertkennzeichnung ein. Die Verbraucher sollen auch mehr Information darüber erhalten, unter welchen Bedingungen die Lebensmittel produziert wurden (zweites Preisschild). Dabei setzen wir vorrangig auf freiwillige Siegel, die internationale Sozial- und Nachhaltigkeitsstandards wiedergeben, und die Entwicklung glaubwürdiger Kenzeichnungen für umwelt- und klimafreundliche Produkte.

SPD: Unser Ziel ist, dass sich das Ernährungs- und Bewegungsverhalten in Deutschland positiv verändert und ernährungsmitbedingte Krankheiten zurückgehen. Hierzu werden wir Initiativen und Projekte fördern, die der Entstehung von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten entgegenwirken wollen. Mit dem Nationalen Aktionsplan „In Form” haben wir bereits vielfältige Initiativen in einer bundesweiten Strategie zusammen geführt.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor allem eine Ernährung, die den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung folgt. U.a. durch Maßnahmen zur Verbesserung der außer-Haus-Verpflegung und Bildungs- und Aufklärungsarbeit werden wir uns weiterhin für eine ausgewogene und gesunde Ernährung einsetzen.

Grüne: Die vielen negativen Auswirkungen des überhöhten Fleischkonsums sind uns bewusst. Fleisch und seine Produktion sind besonders kritisch für das Klima. Bis zu neun Kilogramm Getreide sind nötig, um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren. Ein Großteil der Futter-Energie geht also verloren. Auf 30 Prozent der Weltagrarflächen werden Futtermittel angebaut, gleichzeitig hungern eine Milliarde Menschen. 70 Prozent des nach Europa importierten Eiweißfuttermittels – ohne welches die Tierhaltung hier nur in wesentlich eingeschränktem Rahmen möglich wäre – stammen aus Schwellen- und Entwicklungsländern, wo die Ackerfläche dringend zur Ernährung der eigenen Bevölkerung gebraucht wird. Sojaanbau ist das Einfallstor für die grüne Gentechnik und verantwortlich für die Abholzung von riesigen Regenwaldflächen. Und auch für die Gesundheit ist es gut, seinen Fleischkonsum in Maßen zu halten. Im Durchschnitt verzehren die Deutschen 1,5 Kilogramm Fleisch und Wurstprodukte pro Woche und Kopf. Ernährungswissenschaftler empfehlen aber nur 300 Gramm.
Die Entscheidung, Vegetarier zu werden, ist eine sehr persönliche, die jedeR für sich selber treffen muss. Wir empfehlen aber – auch in Broschüren und auf Messeauftritten -, sich beim Fleischverzehr an den Empfehlungen der Ernährungswissenschaftler zu orientieren und auf Produkte aus artgerechter Haltung zurückzugreifen. Die Bundesregierung muss mehr Aufklärung für eine gesunde Ernährung leisten. Und die Futtermittelimporte müssen reduziert werden – u.a. durch eine klare Kennzeichnung gentechnisch veränderter Futtermittel, die die Verbraucher nämlich ablehnen.

Linke: Der Verzicht auf oder die Reduzierung des Fleischkonsums kann nur durch freiwillige Entscheidungen der Verbraucherinnen und Verbraucher stattfinden. Verbraucheraufklärung über gesunde Ernährung, Verbesserung der schulischen Bildung zur Ernährung und die Einführung der auch von der EU vorgesehenen Qualitätskennzeichnung tiergerechter Erzeugung sind durch die Politik zu gestaltende Maßnahmen, die zu geringerem Fleischkonsum beitragen können. Diese  Maßnahmen zum Beispiel in der Initiative Ernährung und Bewegung des Bundeslandwirtschaftsministeriums unterstützt die LINKE, wobei ein besonderer Fokus auf sozial benachteiligte Haushalte zu legen ist.
Ein geringerer Fleischkonsum in Deutschland bedeutet nicht zwangsläufig eine Reduktion der einheimischen Tierhaltung. Den insbesondere in Schwellenländern wachsenden Fleischkonsum versucht beispielsweise die deutsche und europäische Fleischindustrie mit politischer Unterstützung zum verstärkten Export zu nutzen.
Daher müssen aus Sicht der LINKEN die Anreize zum regionalen Konsum verstärkt werden. Besondere Qualitäten tier- und umweltgerechter Erzeugung lassen sich glaubwürdig und verbrauchernah mit gerechten Erzeugerpreisen am effektivsten regional vermarkten. Für spezielle tierische Erzeugnisse ist sogar aus ökologischen und sozialen Gründen eine Erhöhung des Verbrauchs in Deutschland wünschenswert. So könnte ein etwas höherer Durchschnittsverbrauch von Lammfleisch aus regionaler Erzeugung den vergleichsweise zu hohen Verbrauch an Schweinefleisch ersetzten. Ökologisch und sozial wären die Auswirkungen positiv für die Naturlandschaften und die an die Schäferei gebundenen Arbeitsplätze.
Der Tierschutz in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung ist prinzipiell unabhängig von der Anzahl der gehaltenen Tiere und von der Betriebsgröße. Tierschutzrechtliche Belange gelten für alle Betriebe, unabhängig von Größe und Ausrichtung.

FDP: Die FDP setzt sich für eine effiziente und nachhaltige Landwirtschaft ein. Dies dient der Bekämpfung des Klimawandels und ist Voraussetzung für die Ernährung der stetig wachsenden Weltbevölkerung. In der Ernährungspolitik setzt die FDP auf den mündigen Verbraucher. Zu einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung gehört in der Regel auch der Fleischkonsum. Ein gesetzliches Verbot oder eine gesetzliche Beschränkung des Fleischkonsums lehnt die FDP ab.
Anmerkung: Danach hatten wir nicht gefragt.