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Wildfisch

In der Wissenschaft setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass Fische Angst, Schmerzen und Stress fühlen können. Grund genug, sich intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen, zumal neuste Berechnungen zu dem Ergebnis kommen, dass jährlich zwischen 0,97 und 2,7 Billionen Fische durch die Fischerei getötet werden. Geht man konservativ von einer Billion (1.000.000.000.000) Tieren aus, so übersteigt dies die Anzahl der jährlich geschlachteten Landtiere um rund das 16-fache.

Schmerzen und Leiden werden wild lebenden Fischen während drei verschiedener Phasen zugefügt: dem Fang, dem Einholen und dem darauf folgenden Umgang mit den Tieren  bis zu ihrem Tod. Die ersten zwei Phasen der wichtigsten Fangmethoden werden im Folgenden skizziert. Danach wird kurz auf die dritte Phase eingegangen.

Schleppnetze

Schleppnetze haben eine große Öffnung und werden nach hinten immer schmaler. Mit diesen Netzen werden Fische verfolgt, bis die Tiere erschöpft sind und ins Netz gelangen. Im Netz reagieren die Tiere mit Panik und schlagen heftig mit ihren Schwänzen, um zu entkommen, wobei sie häufig sich selbst und andere Fische verletzen. Wenn die Fische das Netzende erreichen, werden sie zum Teil von anderen Tieren zerdrückt, oder die Fische ersticken, weil ihre Kiemen nicht von ausreichend Wasser umspült werden. Wenn die Netze eingeholt werden, können die Fische durch den sinkenden Druck verletzt werden. Vor allem können ihre Schwimmblasen platzen. Der gesamte Vorgang kann viele Stunden dauern. Schleppnetze, vor allem Grundschleppnetze, produzieren sehr hohe Beifangquoten. Grundschleppnetze können zusätzlich den Meeresboden stark beschädigen und große Umweltschäden verursachen.

Ringwadenfischerei

Beim Ringwaden-Fang wird ein Fischschwarm mit einem Netz umkreist, das dann zugezogen wird. Das Umkreisen verursacht wahrscheinlich Angst bei den Tieren. Wenn das Netz zusammengezogen ist und die Fische dicht zusammengedrängt sind, verursacht das großen Stress, der wie beim Schleppnetzfang durch Panikreaktionen zu Verletzungen führen kann. Weitere Verletzungen können sich die Fische zuziehen, wenn das Netz eingeholt wird.

Da Thunfische häufig mit Delfinschulen schwimmen (die Gründe dafür sind unbekannt), werden in der Ringwadenfischerei manchmal gezielt Delfinschulen gefangen, um an Thunfische zu gelangen. Um Thunfisch mit Ringwaden delfinfreundlich zu fangen, wird ausgenutzt, dass mehrere im Wasser lebende Tierarten die Tendenz haben, sich unter schwimmenden Gegenständen zu versammeln (auch hierfür sind die Gründe unbekannt). Neben »Speisefischen« gehören dazu auch Schildkröten und Haie, die oft für delfinfreundlichen Thunfisch sterben müssen.

Treibnetze

Ein Treibnetz kann man sich wie eine breite Netzwand im Meer vorstellen. Fische, deren Körperumfang nur etwas größer ist als die Netzmaschen, verfangen sich so in den Netzen, dass ihr Kopf durch die Masche passt, aber der Körper hängenbleibt. Während des Befreiungskampfes verheddern sich diese Fische immer mehr, was bei diesen Tieren wohl zu Angst- und Panikzuständen führt. So können zusätzlich Verletzungen entstehen und die Atmung der Fische kann durch die Maschen gestört werden. In Treibnetzen gefangene Fische werden manchmal von ihren Fressfeinden angegriffen und verwundet. In diesen Zuständen müssen die Tiere oftmals viele Stunden oder sogar Tage verweilen, bevor die Netze eingeholt werden. Große Fische werden oft eingeholt, indem man sie mit einem Haken aufspießt und an Deck zieht. Manchmal verfangen sich Schildkröten, Vögel und Säugetiere in den Treibnetzen und ertrinken. Treibnetze gehen zum Teil auch verloren. Dann treiben sie für mehrere Monate oder sogar Jahre durchs Meer und töten Tiere.

Einzelne Angelhaken

Eine weitere Methode ist es, Köder (manchmal lebende Fische) an einem Angelhaken durchs Wasser zu ziehen, um einzelne Fische zu fangen. Am Haken zu hängen ist für Fische sehr stressig, da sie sich panikartig bewegen, um frei zu kommen. Dabei entstehen manchmal schwere Verletzungen – insbesondere, wenn sich der Haken durch die Kiemen bohrt. Große Fische werden manchmal mit Fischhaken an Deck gezogen (siehe Treibnetze).

Langleinen

An bis zu 100 km langen Leinen befinden sich hunderte oder sogar tausende einzelne Köderhaken. Im Gegensatz zu den einzelnen Angelhaken können Fische stunden- oder tagelang an den Haken hängen, bevor die Leinen eingeholt werden. Häufig werden lebendige Fische als Köder aufgespießt. Gefangene Fische werden manchmal von ihren Fressfeinden angegriffen. Langleinen werden auch verwendet, um Haie zu fangen, denen dann die Rückenflosse abschneidet, um sie danach zurück ins Meer zu werfen (wo sie dann spätestens sterben). Durch Langleinen werden auch Vögel, Schildkröten und ungewollte Fische gefangen und getötet.

Exkurs: Lebendköder

Fische, die als Lebendköder verwendet werden, müssen in aller Regel noch deutlich mehr leiden als für den Verzehr bestimmte Fische, da diese Fische zuerst unter Angst und Stress gefangen werden, dann häufig für Tage oder sogar Wochen unter schlechten Bedingungen gehalten werden, bevor sie schließlich bei vollem Bewusstsein auf Haken aufgespießt werden.

Umgang nach dem Einholen

Die meisten noch lebenden kommerziell gefangenen Fische, werden nicht geschlachtet, wenn sie an Bord geholt werden. Sie verenden entweder an der Luft, oder sie sterben, während sie lebendig und bei Bewusstsein ausgenommen werden. Manchmal werden die Fische nach dem Einholen auch auf Eisblöcke oder in Eiswasser gelegt, was ihre Leiden wahrscheinlich vergrößert und verlängert.

In einer niederländischen Studie (Vis und Kestin, „Killing of fishes“, 1996) wurde beobachtet, dass die meisten Fische noch leben und bei Bewusstsein sind, wenn sie eingeholt werden. Die Zeit, bis die Tiere ihr Bewusstsein verloren, lag je nach Spezies und Handhabung bei 55 bis 250 Minuten (Tod durch Erstickung) bzw. bei 25 bis 65 Minuten (Ausnehmen der Fische). Während dieser Zeit leiden die Tiere stark.

Was Sie tun können

Da es für den Normalverbraucher fast unmöglich ist, Wildfisch zu kaufen, bei dem man sich sicher sein kann, dass die Tiere, die Lebendköder und/oder andere Tiere (»Beifang«) nicht schwer gelitten haben, raten wir generell vom Verzehr dieser Tiere ab. Nachhaltigkeitssiegel wie MSC sind aus Tierschutzsicht auch keine Lösung, da diese praktisch keine Tierschutzstandards beinhalten.

Die gesundheitsfördernden Omega-3-Fettsäuren in Fisch können Sie übrigens genauso gut über Rapsöl (1 Teelöffel pro Tag), Leinöl (1/4 Teelöffel pro Tag), Walnüsse (3 Hälften pro Tag), oder gemahlene Leinsamen (1 Teelöffel pro Tag) oder einige Algenprodukte zu sich nehmen.

Siehe auch: Informationen über die Aquakultur.

Quelle: Der Großteil dieser Informationen wurde dem bahnbrechenden Report »Auf See geht es schlimmer zu« von www.fishcount.org.uk entnommen. In dem Papier wird auf etliche wissenschaftliche und offizielle Quellen zum Thema verwiesen.