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Schweinemast

Ein glückliches Schwein, das nicht in der Massentierhaltung leben mussSchweine sind soziale Tiere, die in der Natur in kleinen Gruppen leben. Ihre Intelligenz entspricht mindestens der von Hunden und etwa der von dreijährigen Kindern. Den Großteil (ca. 70%) ihrer wachen Zeit verbringen Schweine damit, den Boden mir ihrem Rüssel nach Nahrung zu durchwühlen. Neben ihrem starken Erkundungsdrang, der Körperpflege, dem Nestbau und dem Ruhen in Gruppen zählt dieses Verhalten zu ihren wichtigsten Grundbedürfnissen, die in der konventionellen Schweinemast allesamt unterdrückt werden.

»Muttersauen«

Muttersauen werden in der Regel in körpergroßen Käfigen (»Kastenstände«) gehalten, per Hormonspritze konzeptionsbereit gemacht und künstlich geschwängert. In den Kastenständen können sie nur 1-2 Schritte vor und zurück gehen. Um die eigene Achse können sie sich nicht drehen. Auf diese Form der Haltung reagieren die Säue zunächst mit heftigen Ausbruchsversuchen, die nicht selten zu Verletzungen führen. Später bricht ihr Widerstand zusammen, und die Tiere zeigen stattdessen Verhaltensstörungen wie das Beißen an Gitterstangen oder das ständige Leerkauen.

Die Muttersauen verbringen in den meisten Ställen ihre gesamte Schwangerschaft – knapp vier Monate – quasi fixiert in den Kastenständen. Kurz vor der Geburt ihrer Jungen werden sie in einen anderen Käfig, den »Abferkelkäfig« gebracht.

Auch Abferkelkäfige sind kaum größer als die Körper der Muttersauen. Im Gegensatz zum Kastenstand ist um ihn herum etwas Platz für die Ferkel, die die Mutter gebären muss, ohne sich nach ihnen umdrehen zu können. Die Stillzeit in der Schweineproduktion beläuft sich in der Regel auf drei Wochen. Dann werden die Ferkel der Mutter weggenommen. Da die Milchproduktion der Muttersau nach drei Wochen ihren Höchststand erreicht, entstehen ihr durch das verfrühte Abstillen Schmerzen im Gesäuge. Nachdem die Ferkel von der Mutter getrennt wurden, wird diese entweder für wenige Wochen in einer Gruppenhaltung gehalten, oder (meistens) sofort wieder zurück in den Kastenstand gebracht, wo sie nach einigen Wochen wieder geschwängert wird. Muttersäue sind also für den allergrößten Teil ihres Lebens weitestgehend bewegungsunfähig. Nach fünf oder sechs Schwangerschaften werden sie geschlachtet. Dr. Hermann Focke, leitender Amtsveterinär a.D., bezeichnet die Tiere zu diesem Zeitpunkt als »physisch und psychisch abgewrackt«.

Fotos von Muttersauen und Jungen (rechts aufs Bild klicken, um zu blättern)

Vom Ferkel bis zum Maststall

In ihren ersten Lebenstagen werden den Ferkeln ohne Betäubung Teile des Schwanzes abgekniffen, sowie häufig die Eckzähne abgeschliffen. Die männlichen Ferkel werden zusätzlich betäubungslos kastriert (die inzwischen üblichen schmerzstillenden Mittel lindern nur den Schmerz in den Tagen nach der Kastration). Dabei werden den Tieren häufig die Hoden aus dem Leib gerissen, obwohl dieses Vorgehen nicht legal ist.

Nachdem die Ferkel von ihrer Mutter getrennt wurden, kommen sie in einstreulose Buchten mit geringem Platzangebot: 0,15 m² pro Tier bei 5-10 kg Durchschnittsgewicht, 0,2 m² bei 10-20 kg und 0,35 m² bei über 20 kg Gewicht. Bewegungsdrang und Spieltrieb sind bei diesen Besatzdichten derart eingeschränkt, dass es häufig zu Verhaltensstörungen wie dem Ohr- und Schwanzbeißen kommt. Der starke Bewegungsmangel kann außerdem schon bei Ferkeln zu Arthritis führen.

Wenn die Tiere ca. 25 kg wiegen, kommen sie in die eigentlichen Mastställe.

Vom Maststall bis zum Schnitzel

Mastställe sind zum Teil riesige Hallen, in denen bis zu 90.000 Tiere leben, die in einzelnen Betonbuchten in 8er bis 12er Gruppen gehalten werden. Auch hier herrscht drangvolle Enge; die gesetzlichen Vorschriften orientieren sich wieder am durchschnittlichen Gewicht der Tiere: bei 30-50 kg stehen pro Tier 0,5 m² zur Verfügung, bei 50-110 kg sind es 0,75 m² und bei über 110 kg 1 m² pro Schwein. Zum Vergleich: Sechs Schweinen von bis zu jeweils 110 kg steht zum Leben kaum mehr Platz zur Verfügung als die Matratze eines üblichen Doppelbetts groß ist.

Neben dem Platzmangel kommt es noch zu weiteren gravierenden Problemen: Die Tiere leben meistens auf blanken Betonböden, unter denen sich Güllegruben befinden. Durch schmale Öffnungen im Boden fließt der Urin ab, und der Kot wird früher oder später durch die Spalten getreten. Dadurch, dass die Tiere über ihren eigenen Exkrementen leben, entsteht ein starker Gestank in den Ställen, der durch Ammoniak und andere Schadgase verursacht wird und die Lungen der Schweine angreift. Die Belastung ist so hoch, dass ein Großteil der Schweinelungen bei der Schlachtung krankhaft verändert ist. Eine andere typische Erkrankung sind Magengeschwüre, die vor allem durch die hohe Stressbelastung sowie durch die falsche Fütterung mit »Kraftfutter« entstehen. Untersuchungen zeigen, dass bis zu 80% der Mastschweine unter krankhaften Magenveränderungen leiden.

Die Klauen und Beine der Schweine sind nicht für ein Leben auf Betonboden ausgelegt. Durch die ständige Belastung sowie durch die schlechten hygienischen Bedingungen entstehen häufig offene Verletzungen und Entzündungen an den Gelenken. Viele Schweine sind zum Zeitpunkt der Schlachtung kaum noch gehfähig. Um Krankheiten zu bekämpfen, werden Antibiotika routinemäßig eingesetzt. Fast kein Mastschwein ist in seinem kurzen Leben nicht mit Antibiotika behandelt worden. Das von der EU verhängte Verbot, Antibiotika als »Leistungsförderer« ins Futter zu geben, wird von den Haltern umgangen, indem sie die Medikamente zur »präventiven Medikation« einsetzen.

Bilder aus der Schweinemast

Mastschweine sind so überzüchtet, dass sie ihr Gewicht bereits ab dem vierten Lebensmonat um bis zu ein kg pro Tag steigern. Dadurch werden die Skelette der Tiere überlastet. Folgen sind Schmerzvermeidungshaltungen, Bewegungsstörungen und Lahmheit.

Nach etwa sechs Monaten werden die Tiere ins Schlachthaus transportiert. Auf dem Weg dorthin stirbt jedes 200. Schwein an Herzversagen oder an Herzschwäche, was eine Folge des Bewegungsmangels sowie der Züchtung auf eine schnelle Gewichtszunahme ist. Bevor den Schweinen die Kehlen durchgeschnitten werden, werden sie betäubt. Je nach Betäubungsmethode schlägt dies aber in vielen Fällen fehl, sodass die Tiere den Vorgang des Ausblutens und in manchen Fällen auch weitere Arbeitsschritte wie das Einbringen in das kochend heiße Brühbad bewusst miterleben. Die Industrie bezeichnet solche Tiere in ihrem lebensverachtenden Jargon als »Matrosen«.

Bilder von Schweineschlachtungen

Was Sie tun können

  • Essen Sie kein Schweinefleisch aus konventioneller Haltung. Lassen Sie sich nicht von Siegeln (»QS«, »DLG-prämiert« usw.) täuschen – ihre Aussagekraft bezüglich Tierschutzstandards tendiert gegen Null.
  • Essen Sie kein Schweinefleisch aus Biohaltung. Dort erhalten die Tiere zwar Stroh und mehr Platz, aber je nach Betrieb bleiben viele Grundprobleme erhalten. Das gilt speziell für die Fehlbetäubungen bei der Schlachtung und die damit einhergehenden besonders schweren Schmerzen und Leiden.
  • Informieren Sie andere über die Haltungsbedingungen in der Schweinemast und über die Verhältnisse in den Schlachthöfen.
  • Unterstützen Sie unsere Arbeit gegen die tierquälerische Massentierhaltung mit einer Spende oder mit einem Förderbeitrag.

Fotos von Muttersäuen, Mast und Schlachtung © Deutsches Tierschutzbüro.