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Rinderhaltung

Trauriges Kalb. Foto: www.tierschutzbilder.deKonventionelle Rinderhaltung

Die dauernde Anbindehaltung ist besonders problematisch. Sie verliert zwar laufend an  Bedeutung, ist aber in einigen Regionen für Milchkühe noch immer Standard. Unter der Anbindehaltung versteht man Gittervorrichtungen, die in der Regel 150-170 cm lang und 100-110 cm breit sind. Über Ketten oder Halsrahmen werden die Tiere in den Vorrichtungen festgehalten. Einstreu fehlt in der Regel, und meistens bekommen die Kühe ihr ganzes Leben lang keinen Auslauf.

Deutsche Mastrinder werden in 90% aller Fälle in Bodenbuchten mit Vollspaltenböden und ohne Einstreu gehalten. Jedem Tier werden meistens nur 1,5 bis 2 m² Platz zugestanden. Kleinere Betriebe verwenden häufig auch die Anbindehaltung, die der von Milchkühen praktisch identisch ist.

Was viele Verbraucher nicht wissen, aber eigentlich selbstverständlich ist: Kühe geben nur Milch, wenn sie Junge haben. Um für eine konstante Milchproduktion zu sorgen, werden Milchkühe daher ein Mal im Jahr (manchmal sogar öfter) künstlich befruchtet. Die Schwangerschaft dauert 9 Monate, das Junge wird der Mutter meistens sofort nach der Geburt weggenommen, was dazu führt, dass die Tiere oft tage- oder wochenlang verstört sind.

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Fotos: www.tierschutzbilder.de

Grundbedürfnisse

In der Natur fressen Rinder 5-13 Stunden pro Tag. Sie grasen dabei im langsamen Vorwärtsgang. Wegen der starken Überzüchtung ist der Energiebedarf von Kühen so hoch, dass er über Gras nicht mehr gedeckt werden kann. Forscher berichten, dass moderne (überzüchtete) Milchkühe ins Koma fallen würden, wenn man sie auf die Weide stellen würde. Daher wird der Anblick von grasenden Kühen auch immer seltener.

Rinder erhalten also oft nur noch kleine Mengen Gras, Heu und Stroh, dafür aber umso mehr Kraftfutter. Ist der Anteil der natürlichen Nahrung zu gering, so entstehen Verhaltensstörungen wie gegenseitiges Besaugen, Zungenrollen und -schlagen, womit das natürliche Nahrungsaufnahmeverhalten (Abreißen von Gras) nachgeahmt wird. Schon Raufuttergaben von 0,5 bis 1 kg pro Tag könnten dieses gestörte Verhalten drastisch reduzieren sowie Stoffwechselerkrankungen seltener werden lassen. Trotzdem verzichten viele Bauern aus Kosten- und Praktikabilitätsgründen darauf.

Da Rinder Herdentiere sind, möchten sie meistens alle gleichzeitig fressen. Um das zu ermöglichen, muss die Anzahl der Fressplätze auch der Anzahl der Tiere entsprechen. Leider ist das meistens nicht der Fall.

Als sogenannte Weichbodenlieger benötigen Rinder Sand, Stroh, Sägemehl oder andere Materialien, die sich an die Körperform der Tiere anpassen und so eine gleichmäßige Druckverteilung ermöglichen. Zum Aufstehen brauchen Rinder ausreichend Platz. Vor allem, um den Kopf schwungvoll nach vorne und oben bewegen zu können und dann schnell die Vorderbeine nachzuziehen. In der Anbindehaltung ist dies unmöglich, und da Einstreu meistens fehlt, führt der harte Boden zu Druckschäden, Liegebeulen, Gelenkschäden, Verletzungen, Schleimbeutelentzündungen und Abszessen. Zusätzlich sorgt der glitschige Vollspaltenboden oft für Probleme, sodass es zu weiteren Schwierigkeiten mit dem Aufstehen und Abliegen kommt.

Da die Kühe in den Boxen dicht an dicht liegen und die Gittervorrichtungen unten offen sind, kommt es zu weiteren Problemen: Wenn jeweils links und rechts ein Rind ruht, hat das Tier in der Mitte oft keinen Platz mehr, sich hinzulegen und muss trotz Ermüdung und Herdentrieb oft stundenlang stehen. Liegen zwei Kühe nebeneinander, verletzen sie sich oft gegenseitig beim Aufstehen. Tritte auf Zitzen oder Schwanz sind keine Seltenheit. Als Reaktion werden die Schwänze oft gekürzt, was aber eine starke Belastung für die Tiere ist, da sie die volle Länge des Schwanzes benötigen, um Fliegen und anderes Ungeziefer zu vertreiben.

Eine weitere Folge dieser Haltungsbedingungen ist, dass etwa jede vierte der über 20 Mio. Kühe in der EU lahmt.

Körperpflege

Rinder betreiben Eigenkörperpflege, indem sie sich lecken, kratzen und scheuern. Um auch schlecht erreichbare Stellen lecken zu können, ist es nötig, dass die Tiere schleuderartige Bewegungen mit ihrem Kopf ausführen können. In der Anbindehaltung wird das durch die annähernde Fixierung des Tiers und die Enge der Gittervorrichtung unmöglich gemacht. Auch scheuern können sich die Rinder in der Anbindehaltung praktisch nicht.

Auch untereinander pflegen sich die Herdentiere, vor allem durch gegenseitiges Lecken. Im Sozialverhalten werden auch Freundschaften geschlossen und Hierarchien gebildet. Steht die Hierarchie fest, reichen Drohgebärden, damit das rangniedrigere Tier dem ranghöheren Tier ausweicht. In der Anbindehaltung ist solche Sozialverhalten unmöglich, und in der Bodenbuchtenhaltung sind die Abstände zwischen den Rindern so klein, dass rangniedrigere Tiere oft keinen Platz zum Ausweichen haben, wodurch laufend Auseinandersetzungen entstehen, denen man durch ein besseres Platzangebot leicht entgegenwirken könnte. Damit die Tiere sich gegenseitig nicht ernsthaft verletzen, werden ihnen die Hörner entweder schmerzhaft entfernt, oder den Kälbern werden gleich die Hornanlagen dauerhaft zerstört, indem sie innerhalb der ersten sechs Lebenswochen ausgebrannt oder mittels eines Enthorners abgetrennt werden.

Weitere Leiden

Zusätzlich leiden die Tiere durch Verletzungen durch Verkantungen der Gliedmaßen in den Vollspaltenböden und den ständigen Hautkontakt mit Exkrementen (Hautschäden). Bei einer Untersuchung an 1.500 Tierhäuten unmittelbar nach der Schlachtung wurden in 86% der Fälle Hautschäden festgestellt, die den Tieren zu Lebzeiten starke Schmerzen zugefügt haben.

Rinder, insbesondere Jungtiere, haben einen starken Bewegungsdrang, den sie in konventioneller Haltung meistens nicht ausleben können.

Unsere Forderungen

  • Verbot der Anbindehaltung
  • Verbot von Vollspaltenböden
  • Deutlich mehr Platz pro Tier
  • Im Sommer vorzugsweise täglicher Weidegang, mindestens aber 90 Tage pro Jahr
  • Kein Gehen auf Beton, sondern Polsterung durch Gummibeläge

Was können Sie tun?

Kaufen Sie weder Rindfleisch noch Milch, Käse, Joghurt, Quark oder Butter aus konventioneller Haltung. Achten Sie bei Milchprodukten auch auf Zutatenlisten von Gebäck und Süßigkeiten.

Reduzieren Sie Ihren Fleisch- und Milchkonsum. Wenn Sie auf den Geschmack nicht verzichten möchten, stehen Ihnen Fleisch- und Milchalternativen zur Verfügung, die von Jahr zu Jahr besser werden. Insbesondere das Argument, dass Sojamilch & Co. nicht schmecken würden, gilt inzwischen für immer weniger Marken.