Putenmast
In Deutschland werden jährlich etwa 10 Mio. Puten nach Geschlechtern getrennt in Hallen mit jeweils mehreren Tausend Tieren gemästet. Dabei wird überwiegend die Rasse »Big 6« der Zuchtorganisation British United Turkeys (BUT) eingesetzt, die auf eine schnelle Gewichtszunahme und eine breite Brustmuskulatur gezüchtet ist. Während ein männliches Putenküken etwa 50 Gramm wiegt, hat es ca. 20 Wochen später sein Gewicht um das 400-fache auf 20 kg gesteigert. Zum Vergleich: Sumoringer benötigen ca. 20 Jahre, um ihr Geburtsgewicht um das 65-fache zu steigern.
Die Besatzdichte in den Hallen wird üblicherweise nicht in Tieren, sondern in Kilogramm pro Quadratmeter gemessen. Üblich sind 45-50 kg pro m², was etwa 2,5 Tieren pro m² entspricht – manchmal auch mehr. Was das gegen Ende der Mast bedeutet, sehen Sie anhand der Bilder weiter unten.
Zurückdrängen der Grundbedürfnisse
In freier Natur verbringen Puten die Hälfte ihrer aktiven Zeit mit der Suche und der Aufnahme von Nahrung. Zum artgemäßen Verhalten gehört das Untersuchen der Umgebung, das Prüfen von Objekten sowie das Aufpicken und Aufnehmen. In der intensiven Mast werden die Puten vor allem mit Kraftfutterpellets gefüttert, wodurch sich die Zeit der Nahrungsaufnahme auf ca. 15 Minuten pro Tag reduziert. Da das natürliche Beschäftigungsbedürfnis mit der Nahrung so unerfüllt bleibt, fangen die Tiere schon im Kükenalter damit an, an den Federn und im Kot der Artgenossen herumzupicken.
Weiterhin ist zu kritisieren, dass die Futtertröge zu klein sind, um den Tieren die in der Natur übliche, gleichzeitige Nahrungsaufnahme zu ermöglichen. Auch das arteigene Explorationsverhalten können die Tiere in den strukturlosen Hallen nicht ausleben.
Ruheverhalten
Wilde Puten schlafen nachts auf Bäumen. Dieses Bedürfnis ist auch bei den Intensivrassen stark ausgeprägt, doch da in den Masthallen in der Regel keine Sitzstangen bereitgestellt werden, ist ein artgemäßes Ruhen für die Tiere unmöglich. Dieses Problem wird durch die überhöhten Besatzdichten verschärft, denn die Tiere stören sich durch ihre Bewegungen zwangsweise gegenseitig.
Körperpflege, Hautverätzungen, Sozialverhalten
Aufgrund ihrer übergroßen Brustmuskulatur und den damit verbundenen Problemen, das Gleichgewicht zu halten, putzen sich Puten ab der 12. Lebenswoche nur noch liegend und dadurch mangelhaft. Verschmutzungen des Gefieders nehmen dadurch stark zu, ebenso Gefiederverluste durch Abrieb und die Bildung von schmerzhaften Brustblasen, die durch das ständige Liegen auf der von Fäkalien durchnässten Einstreu verursacht werden. Auch das zur Gefiederpflege nötige Sandbaden kann aufgrund des mit der Mastdauer zunehmenden Platzmangels zunächst kaum noch, später dann praktisch gar nicht mehr durchgeführt werden.
Aufgrund der hohen Besatzdichte und der hohen Anzahl der Tiere in den Hallen kann kein artgemäßes Sozialverhalten stattfinden. Deshalb werden die Tiere aggressiv und bepicken sich gegenseitig.
Schmerzen, Leiden, Schäden
Neben den schmerzhaften Brustblasen erleiden Mastputen die folgenden Schmerzen, Leiden und Schäden, die aus einer Kombination aus Überzüchtung und mangelhaften Haltungsbedingungen entstehen:
- Verformungen an den Fersengelenken
- Fußballengeschwüre
- Gestörte Knochenentwicklung der Beine und andere Erkrankungen des Skelettsystems
- Atemwegserkrankungen
- Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
- Das Fehlen normaler Fortbewegung
- Aggressionen: Drohen/Drücken, aggressives Picken, Kannibalismus
Schlachtung
Gängig sind zwei unterschiedliche Methoden der Schlachtung: Bei der CO2-Betäubung werden die Tiere in einem Behältnis oder per Fließband in einen Tunnel gefahren, der mit einem Kohlendioxid-Sauerstoffgemisch angereichert ist. Das Gasgemisch verursacht Erstickungsgefühle und ein starkes Brennen auf den Schleimhäuten. Erst nach etwa einer Minute sind die Tiere vollständig betäubt.
Für die Wasserbadbetäubung werden die Tiere kopfüber an ihren Füßen in die Bügel einer Förderkette eingehängt, das die Puten durch ein Elektro-Wasserbad zieht und dann zu einer Entblutungsmaschine fährt, in der den Tieren die Halsschlagadern durchtrennt werden. Beim Einhängen und danach kommt es bei 80-90% aller Tiere zu Verletzungen mit Blutaustritt. Auch Knochenbrüche sind häufig. Die Fehlbetäubungsraten sind erheblich, weil die Tiere Hals und Kopf reflexartig nach oben biegen und dadurch mit dem Kopf nicht oder kaum durchs Wasser gezogen werden. Bei diesen Tieren kommt es dann auch regelmäßig zu Fehlern bei der Entblutung, weil sie sich stark und panikartig bewegen. Dies führt dazu, dass viele Tiere den Beginn ihrer weiteren Verarbeitung bewusst miterleben.
Juristisches
Dass es sich bei den für die konventionelle Mast gängigen Puten um Qualzuchten handelt, die durch § 11b des Tierschutzgesetzes verboten sind, wird nicht nur von Tierschützern so gesehen, sondern auch von lobbynahen Wissenschaftlern und Ministerialbeamten hinter vorgehaltener Hand zugegeben.
Um die durch Aggressionen entstehenden Verletzungen und Todesfälle in den Griff zu bekommen, werden den Tieren als Küken die Schnabelspitzen entfernt – ein Vorgang, der nach § 6 des deutschen Tierschutzgesetzes nur in Ausnahmefällen erlaubt ist, in der konventionellen Mast aber trotzdem immer und bei allen Tieren durchgeführt wird.
Insgesamt widersprechen die gängigen Bedingungen in der Putenmast dem Gedanken von § 2 Nr. 1 und Nr. 2 des Tierschutzgesetzes, nach denen Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen gehalten werden sowie die Möglichkeit der Tiere zur artgemäßen Bewegung nicht derart eingeschränkt werden dürfen, dass ihnen Schmerzen, vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.
Zur fehlenden Möglichkeit, gegen offensichtliche tierschutzrechtliche Verstöße vorzugehen, erfahren Sie hier mehr.
Antibiotikaresistenzen
Die Haltungsbedingungen in der Putenmast bieten Krankheitserregern sehr gute Verbreitungsmöglichkeiten. Deshalb wird in der Putenmast routinemäßig mit Antibiotika gearbeitet, was die – auch für den Menschen gefährlich – Resistenzenbildung fördert. Diese sind inzwischen so weit fortgeschritten, dass erste Putenställe aufgrund des unkontrollierbar gewordenen Infektionsdrucks leer stehen.
Bilder
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Fotos © Deutsches Tierschutzbüro
Was Sie tun können
Essen Sie kein Putenfleisch. Selbst wenn Sie nicht auf Fleisch verzichten mögen: Meiden Sie (insbesondere konventionelles) Putenfleisch, denn ansonsten unterstützen sie eins der tierquälerischsten Systeme überhaupt. Probieren Sie stattdessen vegetarische Fleischalternativen, die inzwischen teilweise kaum noch vom Original zu unterscheiden sind.
Unterstützen Sie bitte auch unseren Kampf gegen die tierquälerische Massentierhaltung, oder werden Sie aktiv.






