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Kaninchenmast

Kaninchenmast. Foto: www.tierschutzbilder.deKaninchen in freier Wildbahn

In freier Wildbahn leben Kaninchen in Kolonien mit komplexem Sozialverhalten. Sie stellen z.B. Wächter ab, die die Umgebung beobachten und bei Gefahr ihre Artgenossen durch ein starkes Trommeln mit den Hinterbeinen warnen. Auch sonst herrschen untereinander enge Verbindungen, die durch das gemeinsame Ruhen oder die gegenseitige Fellpflege noch verstärkt werden.

Kommerzielle Kaninchenhaltung

Kaninchen werden zu unterschiedlichen Zwecken gehalten: als Versuchstiere, als Mastkaninchen, zur Wollerzeugung (Angora) und zur Rassezucht. Die physiologischen Grundbedürfnisse sind dabei aufgrund des Domestikationsverlaufs bei allen Kaninchenarten gleich. Während Zuchtkaninchen in möglichst kurzen Zeitabständen möglichst viele Junge zur Welt bringen müssen, werden die Jungen innerhalb von wenigen Monaten auf ihr Schlachtgewicht gemästet.

Vor allem bei Mastkaninchen werden Mindestanforderungen, die sich aus aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen ergeben, massiv unterschritten. Die gängige Haltungsform ist die lebenslange Käfighaltung in Gruppen- und Einzelhaltung, eine artgemäße Bewegung der Tiere durch Hoppelsprünge und Aufrichten auf den Hinterläufen ist dabei unmöglich. Das Eckpunktepapier des BMELV zur Kaninchenhaltung schreibt eine Mindestfläche von 1500 cm² pro Tier vor (dies entspricht gerade einmal zweieinhalb DIN A4 Blättern), bei der Haltung in Gruppen kommen ab dem fünften Tier nurmehr 800 cm² hinzu. Das bedeutet, dass beispielsweise in einem Zehner-Käfig mit Mastkaninchen, die bis zu 2,5 kg schwer werden, jedem Tier eine Fläche von nur 1080 cm² zukommt. Der nicht perforierte Liegebereich entspricht mit 225 cm² pro Tier etwa einem Drittel eines DIN A4 Blattes.

Zurückdrängen der Grundbedürfnisse

Kaninchen verbringen unter natürlichen Bedingungen viele Stunden am Tag mit der Nahrungsaufnahme, bis zu 90 Mal am Tag werden geringe Futterportionen aufgenommen. Der Verdauungstrakt der Tiere ist dabei auf den Verzehr von rohfaserreicher, grobstrukturierter Nahrung mit teilweise geringem Nährwert ausgerichtet, dazu zählen Gras, Heu, Kräuter, Gemüse- und Salatblätter sowie Äste und Wurzeln zum Benagen.

In der Käfighaltung von Kaninchen werden dagegen nährstoffreiche Futterpellets verfüttert. Infolge der fehlenden Beschäftigung durch Kauen und Nagen kommt es zu Verhaltensstörungen wie Gitternagen, Scharren in den Käfigecken, übersteigertem Putzverhalten mit einhergehendem Haarverlust und dem Belecken von Einrichtungsgegenständen.

Darüberhinaus ist die Bewegungsfreiheit der Kaninchen in der Käfighaltung extrem eingeschränkt: Scharren, graben und das Aufrichten auf den Hinterläufen ist nicht möglich.

Ruheverhalten

Kaninchen ruhen in Gruppen mit Körperkontakt in ausgestreckter Bauch- oder Seitenlage oder in Bauchlage mit angezogenen Läufen, was in Käfighaltung praktisch unmöglich ist. Es fehlen Rückzugsbereiche, Liegeflächen in ausreichender Größe und ein planbefestigter Boden mit saugfähiger Einstreu.

Sozialverhalten

Artgemäßes Sozialverhalten kann nur stattfinden, wenn Möglichkeiten zu Nähe und Distanz zur Verfügung stehen. Subdominante Tiere müssen dominanten ausweichen und Rückzugsräume aufsuchen können. Wenn die Tiere von Anfang an gemeinsam gehalten werden und auf die Zusammenstellung von weiblichen und männlichen Tieren geachtet wird, kann Gruppenhaltung, zumindest bei zusammen aufgezogenen Weibchen, gut funktionieren. Einzelhaltung sollte nur ausnahmsweise und zeitweise – bei Krankheit, Verletzung oder Unverträglichkeit – vorgesehen werden.

Besonders das Mutter-Kind-Verhältnis betreffend muss der Häsin eine Rückzugsmöglichkeit von den Jungtieren außerhalb der täglichen Säugezeit zur Verfügung gestellt werden, um nicht ständigen Säugeversuchen ausgesetzt zu sein. Unter naturnahen Bedingungen baut die Häsin ein Nest aus organischem Material und Haaren. Dieses verschließt sie nach außen zum Schutz vor Raubfeinden und besucht es nur einmal täglich, um die Jungen zu versorgen. Ist kein anderes Abteil oder erhöhte Liegefläche als Rückzugsmöglichkeit verfügbar, kommt es zu Verhaltensstörungen wie dem Kauern mit dem Kopf am Nistkasten, um zu verhindern, dass die Jungen herauskommen. Das Bereitstellen von geeignetem Nestmaterial ist notwendig, um zu vermeiden, dass es zu Abweichungen vom Nestbauverhalten kommt.

Schmerzen und Leiden

Das ständige Stehen auf den Gitterrostböden führt zu Pododermatitis (wunde Läufe) und abnormen Stellungen zur Pfotenschonung. Mit dem dauerhaften Bewegungsmangel gehen ein vermindertes Knochenwachstum, Wirbelsäulenverkrümmungen, gehäufte Frakturen durch Knochenschwäche und Störungen der Bewegungskoordination bis hin zum Verlust der Hoppelfähigkeit einher. Die beengte reizarme Haltung in einstreulosen Käfigen führt nicht selten zu Kannibalismus und Selbstverstümmelung bei den Tieren.

Vermeidbarkeit

Die artgemäße Haltung von Kaninchen in Käfigen ist unmöglich, denn dabei werden Einschränkungen des natürlichen Bewegungs- und Sozialverhaltens und die damit verbundenen, vermeidbaren Schäden und Leiden verursacht. Dies verstößt gegen §2 des Tierschutzgesetzes, der das Gebot zur art- und bedürfnisangemessenen Pflege und Unterbringung der Tiere enthält.

Forderungen

Kaninchen brauchen ausreichend Platz zur Bewegung und zum Aufrichten. Studien der Universität Stuttgart-Hohenheim haben ergeben, dass im Minimum 2500 cm² je Mastkaninchen notwendig sind, um den Tieren auch unter den Gegebenheiten der Gruppenhaltung so viel Bewegung zu ermöglichen, wie für einen normalen Muskelaufbau erforderlich ist. Erwachsene Kaninchen benötigen entsprechend mehr Platz (Mastkaninchen werden nicht erwachsen), sowie 70 cm Höhe, um sich voll aufzurichten. Regelmäßige Auslaufzeiten von 30 bis 60  min täglich tragen dazu bei, die Aktivität zu fördern, Verhaltensstörungen zu reduzieren und einen gesunden Aufbau des Bewegungsapparats sicher zu stellen.

Notwendig sind insbesondere die Gliederung des Raums in Funktionsbereiche (Futter-, Aufenthalts- und Nestbereich), erhöhte Liegeflächen, attraktive Ruhebereiche, Strukturen, die das sich Verstecken, das Ausweichen und den zeitweiligen Rückzug ermöglichen, Beschäftigungsmöglichkeiten, stabile Gruppen, regelmäßiger Wechsel der Einstreu und nicht zu hohe Besatzdichten.

Was können Sie tun?

Essen Sie kein Kaninchenfleisch. Wenn dies für Sie nicht infrage kommt, achten Sie auf deutlich erhöhte Haltungsstandards. Vereinzelt werden Bodenhaltung (auch »Buchtenhaltung« genannt) und Freilandhaltung praktiziert, die nach unseren Kenntnissen die o.g. Kriterien aber nicht erfüllen.

Bilder aus der kommerziellen Kaninchen-Käfighaltung

Fotos: www.tierschutzbilder.de