WPSA-Siegel in erster Instanz erfolgreich

Veröffentlicht am 12. Dez 2009

businessman wearing  paper bagDas WPSA-Siegel »Tiergerechte Haltungsform« wurde von Teilen der Geflügelwirtschaft ins Leben gerufen. Vor allem, um Eier aus den neuen »Kleingruppen«-Käfigen salonfähig zu machen. Da die Kriterien im Grunde nur das einfordern, was ohnehin per Gesetz bzw. Verordnung vorgeschrieben ist, weil die Einhaltung der Mindeststandards von einem Unternehmen geprüft werden soll, das nicht gerade dafür bekannt ist, besonders streng hinzuschauen und weil es kein System der Rückverfolgbarkeit gibt, betrachtet die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt das WPSA-Siegel als reine Luftnummer.

Zu einem ähnlichen Schluss kam die Wettbewerbszentrale, die in dem Siegel eine unlautere Irreführung der Verbraucher erkannte und vor Gericht klagte.

In erster Instanz hat die Wettbewerbszentrale leider verloren, was sich schon in der mündlichen Verhandlung anbahnte, in der die Vorsitzende Richterin sagte, es könne sich nicht um unlautere Irreführung handeln, da kein Bundesadler auf dem Siegel abgebildet sei. Kann man also alles auf einem Siegel behaupten, solange kein Bundesadler darauf abgebildet ist? Wir meinen: nein!

Wir konnten noch nicht in Erfahrung bringen, ob die Wettbewerbszentrale in Revision gehen wird, hoffen dies aber sehr. Unabhängig davon freuen sich WPSA und die Deutsche Frühstücksei, die das Siegel verwendet, zu früh. Wir haben mit weiten Teilen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels über das Siegel gesprochen, und uns wurde versichert, nicht auf das WPSA-»System« zurückzugreifen.

Außerdem ist sich der Lebensmitteleinzelhandel weitestgehend einig, Eier aus »Kleingruppen«-Käfigen nicht dauerhaft ins Sortiment aufzunehmen – übrigens auch unabhängig davon, ob diese Eier mit einer »3«, »3+« oder »4« gestempelt werden (die Deutsche Frühstücksei setzt sich nach unseren Informationen noch immer für eine »4« ein). Dass solche Eier momentan noch in einigen Supermärkten zu finden sind, liegt vor allem am gravierenden Engpass an Eiern aus alternativen Haltungsformen.

Zwar gibt es immer wieder Gelegenheit sich über das Fehlverhalten einiger Teilnehmer am Eiermarkt zu ärgern, insgesamt entwickelt sich der Markt aber in die richtige Richtung. Wie die laufenden Erfolge unserer Käfigfrei-Kampagne zeigen, sind Eier aus (modifizierten) Käfigen ein Auslaufmodell.


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4 Kommentare | Zum Kommentarfeld»

  1. wäre gut, wenn das nicht nur in Deutschland der Fall wäre, ich lebe seit 14 Jahren in der Türkei.

  2. Nun es geht vorwaerts, wir sind die Verbraucher, und der Markt muss sich nach uns und nicht wir nach dem Angebot richten. Deshalb immer kontrollieren, nachfragen und nicht einfach kaufen und akzeptieren. Wie man sieht es geht, zwar langsam, jedoch es geht vorwaerts.

  3. Tja, die Industrie hat die Entwicklung mal wieder verschlafen. Schlecht beraten worden sind unsere Landwirte und Agrarindustriellen offenbar von ihren Verbänden. Sonst könnten sie jetzt richtig Geld machen mit ihren Alternativeiern. Wobei die Bodenhaltung auch nicht der Weißheit letzter Schluss ist, sondern nur eine Übergangslösung sein kann, bis ausreichend Freilandeier produziert werden können (dass das auch flächensparend geht, ist bereits bewiesen).

  4. Hallo Ihr Lieben,

    der Weisheit, Ethik, Moral und Menschlichkeit letzter Schluss ist vegan zu leben.

    An alle: Wer Eier isst unterstützt damit das Vergasen und Schreddern von männlichen Küken. Auch, dass die Hühner generell ausgebeutet werden. Ein “normales” Huhn lebt natürlich länger und gibt weniger Eier (als in diesen Zuchthochburgen)

    Es wäre an der Zeit hier nicht die Moralkeule über andere zu schwingen, sondern einfach das System an sich zu unterlaufen. Ganz einfach: Keine Eier essen! Denn: Lediglich unsere Geschmacksnerven entscheiden doch tatsächlich über Qual und Leid. Ethik und Moral bleiben völlig unberührt und aus meiner Sicht ist jeder Mensch, der Eier kauf ein “Mittäter”. Sorry, der klaren Worte!

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