WPSA-Siegel in erster Instanz erfolgreich
Das WPSA-Siegel »Tiergerechte Haltungsform« wurde von Teilen der Geflügelwirtschaft ins Leben gerufen. Vor allem, um Eier aus den neuen »Kleingruppen«-Käfigen salonfähig zu machen. Da die Kriterien im Grunde nur das einfordern, was ohnehin per Gesetz bzw. Verordnung vorgeschrieben ist, weil die Einhaltung der Mindeststandards von einem Unternehmen geprüft werden soll, das nicht gerade dafür bekannt ist, besonders streng hinzuschauen und weil es kein System der Rückverfolgbarkeit gibt, betrachtet die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt das WPSA-Siegel als reine Luftnummer.
Zu einem ähnlichen Schluss kam die Wettbewerbszentrale, die in dem Siegel eine unlautere Irreführung der Verbraucher erkannte und vor Gericht klagte.
In erster Instanz hat die Wettbewerbszentrale leider verloren, was sich schon in der mündlichen Verhandlung anbahnte, in der die Vorsitzende Richterin sagte, es könne sich nicht um unlautere Irreführung handeln, da kein Bundesadler auf dem Siegel abgebildet sei. Kann man also alles auf einem Siegel behaupten, solange kein Bundesadler darauf abgebildet ist? Wir meinen: nein!
Wir konnten noch nicht in Erfahrung bringen, ob die Wettbewerbszentrale in Revision gehen wird, hoffen dies aber sehr. Unabhängig davon freuen sich WPSA und die Deutsche Frühstücksei, die das Siegel verwendet, zu früh. Wir haben mit weiten Teilen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels über das Siegel gesprochen, und uns wurde versichert, nicht auf das WPSA-»System« zurückzugreifen.
Außerdem ist sich der Lebensmitteleinzelhandel weitestgehend einig, Eier aus »Kleingruppen«-Käfigen nicht dauerhaft ins Sortiment aufzunehmen – übrigens auch unabhängig davon, ob diese Eier mit einer »3«, »3+« oder »4« gestempelt werden (die Deutsche Frühstücksei setzt sich nach unseren Informationen noch immer für eine »4« ein). Dass solche Eier momentan noch in einigen Supermärkten zu finden sind, liegt vor allem am gravierenden Engpass an Eiern aus alternativen Haltungsformen.
Zwar gibt es immer wieder Gelegenheit sich über das Fehlverhalten einiger Teilnehmer am Eiermarkt zu ärgern, insgesamt entwickelt sich der Markt aber in die richtige Richtung. Wie die laufenden Erfolge unserer Käfigfrei-Kampagne zeigen, sind Eier aus (modifizierten) Käfigen ein Auslaufmodell.
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