Welthungertag 2009
Eine Milliarde Menschen hungern. Die Vereinten Nationen fürchten ein Jahrhundert des Hungers. Da wundert es nicht, dass sich zum gestrigen Welthungertag (auch: Welternährungstag) Politiker, Lobbyisten und gemeinnützige Organisationen zu Wort gemeldet haben.
Die scheidende Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) mahnte, dass Exportsubventionen von Milch und anderen Lebensmitteln Märkte in Entwicklungsländern zerstören. Sie hätte noch hinzufügen können, dass die Fleischproduktion einen Großteil der weltweiten Getreideproduktion verschlingt. Das verschwendete Getreide würde theoretisch sogar ausreichen, um alle hungernden Menschen auf der Welt mit Essen zu versorgen.
All das interessiert den Deutschen Bauernverband (DBV) natürlich wenig, denn seine Mitglieder profitieren von Exportsubventionen und »Veredelungsverlusten« – so nennt man die Verschwendung von Lebensmitteln durch die Fleischindustrie in Fachkreisen. Der Bauernverband fordert zum Welthungertag zwar die »nachhaltige Nutzung von Ressourcen«, erklärt aber nicht, was er damit meint. Stattdessen fordert er, Druck zum Aufbau »starker politischer Systeme« machen. Aber auch hier fehlt die Transparenz, was eigentlich gemeint ist. Vermutlich geht es dem DBV um mehr Subventionen und weniger Zölle, um den Export zu forcieren und um weiter Gewinne durch Veredelungsverluste machen zu können.
Auf letztere wollte der Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung in einer Pressemitteilung aufmerksam machen. In der Meldung wurde u.a. die evangelische Kirche dafür kritisiert, das Problem Fleischproduktion vs. Welternährung nicht beim Namen zu nennen, obwohl es dazu nach etlichen Anläufen endlich Hintergrundgespräche gab. Die Meldung wurde vom »Offenen Presseportal« wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Richtlinien nicht veröffentlicht. Als kleinen Ausgleich finden Sie die Meldung jetzt bei uns:
.
Hunger in der Welt: Wie oft muss der Hahn noch krähen?
Schuld am Hunger von mehr als einer Milliarde Menschen trage auch die Evangelische Kirche von Deutschland, weil sie beharrlich zur Vergeudung von Grundnahrungsmitteln schweige, die in schier unfassbaren Mengen in Intensivtierhaltungen an Rinder, Schweine und Geflügel verfüttert werden. Die Kirche habe sehenden Auges zugeschaut, wie die Nutztiere zunehmend zu Nahrungskonkurrenten gemacht wurden. Diesen massiven Vorwurf erhebt der Tierschutzfachverband „Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung“ e.V. Trotz mehrfacher Appelle an den inzwischen aus dem Amt geschiedenen Ratsvorsitzenden der EKD, Bischof Dr. Wolfgang Huber, schwieg dieser beharrlich, während er sich bei vielen anderen Gelegenheiten lautstark zu Wort meldete.
Nachdem die Bitte der AGfaN von Februar 2007, die EKD möge ihre Stimme gegen die sich durch die ausufernde Nutztierhaltung verursachte Verschärfung der Welternährungssituation und gegen die schöpfungsverachtende Nutztierhaltung erheben, zurückgewiesen worden war, wurde die Forderung der Tierschützer auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) in Köln 2007 vom fast 800 Christinnen und Christen durch Unterzeichnung eines entsprechenden Briefes an Huber unterstützt. Der Wunsch nach persönlicher Übergabe wurde mit fadenscheinigen Gründen zurückgewiesen. Erst als im Herbst 2008 feststand, dass beim DEKT in Bremen 2009 noch einmal für das Anliegen geworben werden sollte, wurde im November 2008 ein fünfzehnminütiger Termin für Juni 2009, also nach dem DEKT in Bremen, in Aussicht gestellt! Bei dieser Gelegenheit wurden Bischof Huber dann über 1460 Unterschriften überreicht und das Problem anhand einer Abendmahlszene und von Bildern aus intensiven Nutztierhaltungen anschaulich dargestellt. Obwohl Huber während des schließlich nur zehnminütiges Gesprächs, für das er aus einer anderen Sitzung gekommen war, teilweise durch die Argumente der Tierschützer beeindruckt schien, schaffte er es bis Ende September wieder nicht, die Zusammenhänge des Hungers in weiten Teilen der Welt mit dem Überfluss in den Industriestaaten zu thematisieren.
„Das Schweigen der Kirche ist nicht nur beschämend, sondern missachtet das fundamentale Gebot der Nächstenliebe“, meint der AGfaN-Vorsitzende Eckard Wendt. Die Hungernden seien für die Kirche weit weg und Dr. Huber kenne selber keinen Hunger. Er habe offenbar nur die möglicherweise aufmuckenden Massentierhalter im Sinn, deren Tierhaltung nur auf der Basis der Futtermittelimporte möglich ist. Ihre Drohungen, aus der Kirche auszutreten, nehme er ernster, als die Tatsache, dass alle 3,5 Sekunden ein Mensch verhungert oder an den Folgeerkrankungen elendig zugrunde geht. „Wie oft muss der Hahn eigentlich noch krähen, bis die Kirchenfürsten endlich begreifen, dass sie sich vor Gott versündigen?“, fragt Wendt und hofft, dass die neue EKD-Präsidentschaft Jesus nicht verleugnen wird (Matthäus 24 V. 36f).
“Wir haben den Hunger satt!” lautete das Thema der AGfaN bei zwei Kirchentagen. Deshalb forderten sie: “Solidarität mit den Hungernden durch Konsumänderung bei Fleisch”.
Diese Artikel könnten Sie ebenfalls interessieren:






