English
Albert Schweitzer Stiftung bei Facebook Albert Schweitzer Stiftung auf Twitter Albert Schweitzer Sitftung bei YouTube RSS-Feed der Albert Schweitzer Sitftung

Weltagrarbericht: Bundesregierung unterzeichnet nicht

Veröffentlicht am 9. Mrz 2010

Die Bundesregierung weigert sich, den Weltagrarbericht zu unterzeichnen, der im Original von mehreren offiziellen Organisationen der Vereinten Nationen erstellt wurde, und der von deutschen Nichtregierungsorganisationen zusammengefasst und interpretiert wurden.

Staatssekretär Dr. Gerd Müller, der Ihnen spätestens durch unseren Protest gegen Lebendexporte bekannt geworden sein dürfte, begründet diese Haltung offiziell damit, dass zum einen überwiegend bekannte Fakten zusammengetragen wurden und zum anderen Passagen enthalte »über die man diskutieren kann«.

In der Tat enthält der Agrarbericht Passagen, die der Bundesregierung und insbesondere dem Landwirtschaftsministerium, für das Dr. Müller tätig ist, nicht schmecken. Ob über diese Textstellen wirklich noch diskutiert werden muss, ist eine andere Frage. Eine Auswahl zu den Themen Hunger und Fleisch:

  • Weltweit ernten Landwirte (in Kalorien) ein Drittel mehr als nötig wäre, um alle Menschen ausreichend zu versorgen. Doch immer mehr des weltweit produzierten Getreides wird als Tierfutter, als Treibstoff oder für andere industrielle Zwecke benutzt, und nicht um Menschen zu ernähren.
  • Die meisten Masttiere […] fressen heute nicht mehr Gras, sondern Mais, Soja, Weizen und anderes Getreide, das auf Ackerflächen wächst, die der direkten Lebensmittelproduk­tion verloren gehen.
  • Nach einer Berechnung der Umweltorganisation der Verein­ten Nationen könnten die Kalorien, die bei der Umwandlung von pflanzlichen in tierische Lebensmittel verloren gehen, theoretisch 3,5 Milliarden Menschen ernähren.
  • Auch wenn der Weltagrarbericht selbst zum Konsumverhalten keine Empfehlung abgibt, lassen seine Ergebnisse nur einen Schluss zu: Die Reduzierung des Fleisch- und Milchverbrauchs in den Industriestaaten und ihre Begrenzung in den Schwellenländern ist der dringendste und effektivste Schritt zur Sicherung der Ernährung, der natürlichen Ressourcen und des Klimas.
  • Die extremen Klimaauswirkungen der Milch- und Fleischproduktion können auch durch die Optimierung der Futterzusammensetzung gelindert werden [weitere Beispiele]. Doch all das reicht nicht aus. An veränderten Konsumgewohnheiten führt kein Weg vorbei. Wie radikal wäre eigentlich angesichts der fatalen Folgen für Klima, Umwelt, Gerechtigkeit und die eigene Gesundheit eine Rückkehr zum Sonntags­braten unserer Großeltern? Sie täte nicht nur unserer Gesundheit, der Lebensmit­telsicherheit und der Umwelt gut. Der respektvollere Umgang mit Nutztieren, der in einem grotesken Gegensatz zu unserem Verhältnis zu Haustieren steht, wäre auch dem Wohlergehen der Tiere zuträglich; und damit auch unserer eigenen Selbstachtung. Denn wir müssten beim Griff ins Kühlregal weder die unerträgli­chen Zustände in modernen Fleischfabriken verdrängen noch die zu ihrer Aufrechterhaltung nötige Vernichtung von Wäldern und Aufheizung des Klimas.

Diese und andere Positionen stehen im Widerspruch zum Handeln des Landwirtschaftsministeriums, das Agrarexporte (und damit auch die widersinnig hohe Fleischproduktion) offensiv fördert. Da wundert es nicht, wenn die Regierung einen großen Bogen um die oben genannten Thesen macht.

Durch Erklärungen wie die von Dr. Müller wird es immer deutlicher, dass die Aufnahme des Tierschutzes in den Koalitionsvertrag eine reine Feigenblattfunktion hatte.

Diese Artikel könnten Sie ebenfalls interessieren:

  1. 12 EU-Staaten werden das Käfigverbot nicht einhalten
  2. Warum die Agrarindustrie die Welt nicht ernähren kann
  3. Warum sich die Fischereiindustrie nicht selbst retten wird