Vion will nicht
Das Thema Ferkelkastration bleibt seit der Ankündigung von McDonald’s und Burger King, in Zukunft auf Fleisch von kastrierten Schweinen zu verzichten in Bewegung. Wie wir aus gut informierten Kreisen erfahren, besteht in weiten Teilen der Schweinefleischindustrie nicht mehr die Frage, ob es zum Ende der Ferkelkastration kommt, sondern wann es soweit ist.
Nur Schlachtriese VION weigert sich momentan standhaft, auf die sogenannte Ebermast (also die Mast ohne das Kastrieren der männlichen Ferkel) zu setzen. Als Begründung werden allerlei Argumente aufgeführt, wie z.B. eine angebliche Marktspaltung.
Branchenkenner sagen allerdings, dass VION in der Vergangenheit zu sehr in Masse und zu wenig in Flexibilität investiert hat, um sich ohne große Mehrkosten auf die Ebermast einstellen zu können. Daher wird jetzt wohl mit allen Mitteln versucht, am Status quo festzuhalten. Unsere Prognose: VION unterschätzt nicht als erstes Unternehmen die Tierschutzbewegung. Insbesondere die Organisation PROVIEH wird die Branche in Bewegung halten.
Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt begrüßt die Entwicklung weg von der Ferkelkastration ausdrücklich und unterstützt diese. Da es aber so bald kein tierleidfreies Schnitzel geben wird, erinnern wir auch an die Optionen, gar kein oder zumindest weniger (Schweine-)Fleisch zu essen. Leckere Rezepte finden Sie z.B. bei uns, oder auf Portalen wie rezeptefuchs.de.
Nachtrag (25.09.09): VION hat uns angeschrieben. Zitat: »Wir sind ohne Wenn und Aber für die Ebermast und die Abschaffung der Ferkelkastration.« Auch der folgende, offizielle Text wurde uns von VION zugeschickt. Darin erkennen wir den unbedingten Willen zur Abschaffung der Ferkelkastration allerdings kaum wieder.
VION für Ebermast ohne Risiko für Verbraucher und Landwirt
Das Lebensmittelunternehmen VION Food Group spricht sich für eine Ebermast ohne Risiko für Verbraucher und Landwirte aus. »Zur Zeit sind aber die Risiken des Ebergeruchs noch nicht vollständig ausgeschaltet, um den Verbrauchern verlässlich Eberfleisch anbieten zu können«, erklärte Dr. Heinz Schweer, VION Direktor für Landwirtschaft, auf der Tagung »Perspektiven in der Schweinehaltung«, die vom Landesbauernverband Baden-Württemberg (LBV) in Crailsheim veranstaltet wurde.
VION hat große Erfahrungen mit der Ebermast und -vermarktung in den Niederlanden. 8000 bis 10.000 Eber pro Woche schlachtet VION z.Z. für verschiedene Märkte. In Deutschland stellt aus VION Sicht eine generelle Umstellung auf Ebermast zum jetzigen Zeitpunkt für den Verbraucher, aber auch für den Landwirt ein Risiko dar, insbesondere wenn die Kunden auf der Absatzseite aus Risikogründen ausschließlich Schweinefleisch von weiblichen Tieren beziehen würden. Die Folge ist ein gespaltener Markt für Eber, Kastraten und weibliche Schweine mit entsprechend unterschiedlichen Preisen für Mastschweine und Ferkel. »Diese Marktspaltung führt möglicherweise zu negativen Konsequenzen für die Landwirtschaft« so Dr. Schweer. Die Vermarktung von Ebern, die gegen Ebergeruch geimpft werden, lehnt VION ab, »solange die internationale Marktakzeptanz nicht gegeben ist«.
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