Überraschung im Schweineprotest

Veröffentlicht am 23. Jun 2010

Am letzten Donnerstag haben Dr. Christoph Maisack (r.) und Mahi Klosterhalfen (2.v.r.) im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) die über 6.000 Unterschriften zu unserem Schweineprotest übergeben und die Inhalte des Protests fachlich diskutiert.

Wir hatten in der Vergangenheit harte Grundsatzdiskussionen zum Thema Legehennen im BMELV geführt, und erwarteten daher eine schwierige Debatte darüber, ob unsere Auffassung, dass gesetzliche Mindeststandards in der Schweinehaltung regelmäßig nicht eingehalten werden, richtig sei.

Umso größer war die Überraschung, als uns Dr. Schwabenbauer (l.) und Dr. Kluge (2.v.l.) vom BMELV mitteilten, dass wir uns im Grundsatz einig sind: In der Schweinehaltung wird routinemäßig gegen die  EU-Richtlinie zur Schweinehaltung und gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Insbesondere gilt das für unseren Gesprächsschwerpunkt: Das Kupieren von Schwänzen ist nur in Einzelfällen erlaubt und zwar erst wenn andere Maßnahmen fehlgeschlagen sind, das Schwanzbeißen zu vermeiden. In der Praxis werden die Schwänze aber verbotenerweise standardmäßig kupiert – Alternativen (z. B. die Einbringung von attraktivem Beschäftigungsmaterial und die Reduzierung der Besatzdichte) werden praktisch nicht erprobt.

So befanden wir uns in der angenehmen Situation, über Lösungen anstatt über Probleme diskutieren zu können. Eine unserer zentralen Forderungen war, dass ein konkreter Zeitplan mit Zwischenzielen erarbeitet werden müsse, um zu einer gesetzeskonformen »Schweineproduktion« zu gelangen. Dem haben die Vertreterinnen des BMELV auch nicht widersprochen, allerdings war die Aufstellung eines solchen Zielplans aus ihrer Sicht jetzt noch nicht möglich, da man bislang nur einige erste Gespräche mit der Schweinefleischindustrie geführt hatte, um zu verdeutlichen, dass Bewegung in das Thema kommen muss. Ein erstes Zwischenfazit wolle man spätestens Ende des Jahres ziehen; dann sollen auch konkretere Ziele aufgestellt werden.

In der Zukunft wird es darum gehen, wie schnell und mit welchen Maßnahmen erreicht werden soll, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen in der »Schweineproduktion« eingehalten werden. Es ist vorauszusehen, dass die Tierschutzpositionen deutlich über die Vorstellungen der Schweinefleischindustrie hinausgehen werden. Auch hier werden wir uns aktiv einbringen, um das BMELV aufzufordern, eine zügige Umsetzung vorzugeben, von der die Tiere auch tatsächlich profitieren. In welchem anderen Wirtschaftszweig ist es sonst möglich, dass offensichtliche Rechtsbrüche über viele Jahre hinweg ohne Konsequenzen toleriert werden?

Abschließend möchten wir darauf hinweisen, dass wir auch die gesetzeskonforme Schweinehaltung keinesfalls für artgerecht halten. Wir kämpfen trotzdem für die Einhaltung des Tierschutzgesetzes, weil sie zum einen ein wichtiger Schritt ist, um Tierleid zu vermindern und zum anderen nur so eine Verschärfung der gesetzlichen Rahmenbedingungen Sinn macht.

Ein besonderer Dank gilt den UnterzeichnerInnen und UnterschriftensammlerInnen. In unserem Gespräch wurde vom BMELV ausdrücklich darauf hingewiesen, dass unsere und andere Aktionen notwendig waren, um das Problembewusstsein zu schärfen.

Sehen Sie hier noch einmal, was es in der Schweinehaltung zu bemängeln gibt:


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29 Kommentare | Zum Kommentarfeld»

  1. Da kann also die Berufsgruppe der Tierausbeuter mit Wissen des BMELV ungehindert massiv und gewohnheitsmäßig gegen geltendes Recht verstoßen und man traut sich noch nicht einmal, die Umsetzung von Bestimmungen einzufordern? Dem Bürger wird dagegen zugemutet, diesen mörderischen Industriezweig über die Steuergelder zu sponsern. Wo leben wir eigentlich? Bananenrepublik Deutschland, – Ethik unerwünscht!

  2. Da kann ich Carin nur zustimmen. Genauso wie eine ganze Reihe von Unternehmen verschiedener Branchen wegen angeblicher Kurzarbeit von der öffentlichen Hand Lohnersatzleistungen kassieren und ihre Arbeitnehmer tatsächlich aber in Vollzeit arbeiten lassen, womit solche Unternehmen auf Kosten des Steuerzahlers vorsätzlich Gesetze brechen und damit nichts Geringeres sind als Sozial-Schmarotzer, so sind Landwirte, die sich nicht an die Tierschutzgesetze halten und auf Kosten des Steuerzahlers Subventionen kassieren, nichts Geringeres als Subventions-Schmarotzer.
    Aber da kann man ja hinschauen, wohin man will. Wir leben offensichtlich in einem Schmarotzer-Land auf Kosten der Steuerzahler, Arbeitnehmer, Bedürftigen und nichtzuletzt auf Kosten zahlloser gequälter Tiere. Und ich denke, ich stehe nicht alleine da mit der Ansicht, dass der Bogen in Bezug auf generalmaßstabsmäßig gesetzeswidrig handelnde und somit kriminelle wohlgemerkt trotzdem kassierende Schmarotzer empfindlich überspannt ist.

  3. Danke für euer Engagement!
    Ich sehe ein, dass man oftmals nur mit kleinen Schritten zum Ziel gelangt, aber deswegen muss man keinen solchen Tier verachtenden und absurden Satz formulieren, ich zitiere:

    “Auch hier werden wir uns aktiv einbringen, um das BMELV aufzufordern, eine zügige Umsetzung vorzugeben, von der die Tiere auch tatsächlich profitieren.”

    Das aktuelle Tierschutzgesetz ist sowieso eine Schande für die Menschheit. Aber wenn die Einhaltung dieser Mindestanforderungen auch noch als “Profit für Tiere” angepriesen wird, dann ist das höchst bedenklich!

  4. Hallo Christiane F,

    danke für Ihr Feedback! Wir stehen aber nach wie vor zu dem Satz. Selbstverständlich profitieren die Schweine davon, wenn die Gesetzeslage eingehalten wird. Es handelt sich dann um eine Steigerung von “miserabel” zu “nicht mehr ganz so miserabel”. Nach unserer Auffassung kann man “profitieren” auch für solche Schritte auf niedrigem Niveau verwenden. Dass wir die gesetzlichen Standards nicht für artgerecht halten, haben wir im übernächsten Satz verdeutlicht.

    Den Vorwurf “tierverachtend und absurd” finden wir nicht OK. Wir sollten untereinander einen höflicheren Umgangston pflegen. Insbesondere, wenn es um Kleinigkeiten wie die Auslegung eines Wortes geht.

  5. Sehe ich genauso, selbst als Wörter-Fetischistin. Ich denke, es ist unbestreitbar, dass sich die ASS nach besten Kräften engagiert. Wir wissen doch alle, wie massiv die Uneinsichtigkeit der nutznießenden Adressaten ist. Und was die Höflichkeit angeht: Es muss sehr wohl gestattet sein, das Verhalten dieser Adressaten beim Namen zu nennen. Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck, dass vornehme Höflichkeit dort verstanden wird. Man kann doch überall überdeutlich sehen, wohin Stillschweigen und das Dulden von Gesetzesbruch und gleichzeitiger Abschöpfung führt, sie wird von den Adressaten als Zustimmung verstanden.

  6. Ja, wobei “tierverachtend und absurd” offensichtlich an uns und nicht an die Schweinehalter gerichtet war. Auch wenn Kritik immer willkommen ist: Das ging uns eindeutig zu weit.

  7. Erst einmal möchte ich der ASS danken für die Initiative, die sie für die Tiere ergreift. Es muss noch so viel getan werden, um den Menschen einsichtig werden zu lassen, in das, was er den Tieren und damit auch sich selbst antut. Wann wachen die Menschen endlich auf?!
    Mich hat folgender Satz erschüttert: “Ein erstes Zwischenfazit wolle man spätestens Ende des Jahres ziehen; dann sollen auch konkretere Ziele aufgestellt werden.” Warum noch so viel Zeit verstreichen lassen? Wir haben nicht mehr so viel Zeit. Unseren Mit-Wesen muss schneller geholfen werden. Dahin sollte unsere ganze Kraft gehen. Gutes Gelingen wünsche ich der ASS

  8. Hallo,
    ich finde toll, was die Albert Schweitzer Stiftung hier leistet. Mein kleiner Beitrag dazu ist, den Protest mitzutragen und vegetarisch zu leben.
    Ich stelle mehr und mehr fest, dass die Lager oder sollte ich besser sagen, die Lobbyisten, an Macht und Einfluss gewinnen. Der kleine Mann hat kaum ein Werkzeug dagegen anzugehen. Es sei denn, er schließt sich mit anderen kleinen Männern/Frauen zusammen. Denn gemeinsam sind wir stark. Wir können Berge versetzen, wenn wir uns einig sind und auch aktiv werden. Danke an alle Mitstreiter!!!

  9. Wer Tiere ausbeutet, scheut sich auch nicht davor, Menschen auszubeuten. “Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Kriege geben”. Ich lebe nun seit vielen vielen Jahren vegetarisch, bzw. seit kurzem ganz vegan und ich kann nur sagen: es ging mir nie besser: werde mit jedem Tag ernergiegeladener und ausgeglichener, lebe KRANKHEITSFREI, und: ja, liebe Leute: man VERJÜNGT sich sichtlich. Es ist so einfach: Verzicht auf Fleisch ist kein Verzeicht, sondern ein Gewinn! Nicht nur für jeden Einzelnen – auch für den Gesamtzustand unserer Erde (siehe klimaschutz…) Verbesserungen für die Haltungbedingungen der Tiere sind sicherlich ein Schritt in die Richtige Richtung… Besser wäre natürlich das Ende aller “NUTZ (!) tier” – Haltung und die ausnahmefreie Durchsetzung eines Grundgesetzes für Tiere – denn sie haben ein RECHT auf ein würdevolles und glückliches Leben – genau wir wir.
    Dank an die Albert-Schweitzer-Stiftung für die unermüdliche Aufklärungsarbeit und den Einsatz für Tiere!

  10. “Lieber in drei kleinen Schritten zum Ziel, als sich bei einem großen das Bein brechen” lautet – in etwa – ein afrikanisches Sprichwort. So ist jeder kleinste Schritt in die richtige Richtung beachtenswert – und die ASS macht eine Menge von kleinsten, kleinen und auch größeren Schritten, wofür ich den Hut ziehe.
    Ich unterstütze die Arbeit der ASS passiv durch meine Zustimmung aus vollstem Herzen und aktiv z.B. dadurch, dass ich vegan lebe, ihre Protestmailaktionen weiterleite u.ä..
    Weiter so!!

  11. Immerhin ein kleiner Schritt.

    Es ist mir immer wieder ein kleiner Trost und große Hoffnung, dass es Organisationen wie die Albert Schweitzer Stiftung gibt – und Leute wie uns, die sich durch ihren Lebensstil und Engagement für die Ausgebeuteten einsetzen.

    Schön zu wissen, dass unsere Protest-Stimmen etwas bewirken (können)!

  12. Ja, Michael, wir könnten Berge versetzen, wenn wirklich der Wille zu einem Zusammenschluß von uns da wäre! Leider ist das u. U. nur bei solchen, wie uns hier, der Fall. Der Wille für eine Änderung ist aber bei den Verantwortlichen und den Betreibern auf keinen Fall vorhanden! Wir reden uns hier die Köpfe heiß – kommt etwas dabei raus? Ja, Unterschriften oder Schreiben! Der Deutsche beherrscht ein Metier vollkommen: Jammern und mosern, aber es wird nichts unternommen. Wir gehen nicht auf die Straße um gegen solche Mißstände zu protestieren, oder nur gaaaaaanz selten. Ist leider so, war so und wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Nur wenn es um das eigene Geld geht, dann wird protestiert (Lohnerhöhungen etc.) Tiere sind so fern und die Hauptsache ist doch ein ordentliches Stück Fleisch auf dem Teller. Egal, lwie es produziert wird und welche Abfünde sich dahinter verbergen.
    Carin und Überzeugungstäterin: Euren Komentaren kann ich mich nur bedingungslos anschließen!!!!! Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Jahre und Jahrzehnte für Maßnahmen ins Land gehen und wie lange man für die Umsetzung derselben benötigt. Tja, es geht ja nur um Tiere und um keine Diäten, Lohnerhöhungen etc.Und was helfen Tierschutzgesetze, die permanent gebrochen und von den zuständigen Behörden, trotz Wissen (!!!!) ignoriert werden? Wenn ich lese, daß die ASS wieder mal bis Ende des Jahres “vertröstet wurde, dann geht einem schon der Kamm hoch! Immer wieder neue Bemühungen, immer wieder Rückschläge, ab und zu mal ein kleiner Erfolg. Man braucht schon starke Nerven, um am Ball zu bleiben. Also: weiterhin viel Erfolg der ASS und den Einwand von Christiane F. fand ich auch nicht so wild. Ich habe ihn nicht als Angriff aufgefaßt. Und mit Sicherheit sollte damit die Arbeit von der ASS nicht in Frage gestellt werden! Es ist eine Sisyphus-Arbeit!!!!!!!!!!

  13. Vielen Dank für die positiven Kommentare!

    Einzige Anmerkung: “Ende des Jahres” ist in der Tierschutzpolitik kein Vertrösten, sondern (leider) verhältnismäßig schnell.

  14. Sehr verdienst voll! Allerdings würde es nicht schaden, hier weniger konziliant auf die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften zu dringen, widrigenfall konkrete Fälle von Verstößen zur Anzeige zu bringen und auf angemessener Ahndung derselben zu bestehen. Die Agraindustrie ist ein beinhartes Geschäft, jedes Entgegenkomen wird hier als Schwäche verstanden und auisgenutzt.

  15. Hallo Herr Dr. Bähr, leider haben sich Strafanzeigen als sehr stumpfes Schwert erwiesen. Auch Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Staatsanwälte, die nicht tätig werden, bringen in aller Regel nichts.

    Den Rechtsstaat muss man im Tierschutzrecht lange suchen, daher gehen wir meist andere Wege, die zum Glück auch erfolgreicher sind.

  16. Vielen Dank, das Ihr euch so engagiert für die Rechte der Tiere einsetzt! Das muss einfach mal gesagt werden!
    Aktionen wie diese sind dringend nötig und überfällig, und es freut mich, dass sie schon Erfolg gezeigt hat :) Nun müssen wir noch auf eine rasche Umsetzung hoffen.

  17. Ich freue mich riessig über den erzielten Erfolg. Hochachtung!! Gott sei Dank gibt es Euch die Albert-Schweitzer-Stiftung.

  18. Kann man denn Betriebe, die gegen das TSchG verstoßen, eigentlich nicht melden/ verklagen/ schließen lassen…?

  19. Würde der Mensch das Tier als das achten, was es ist, nämlich ein Geschöpf Gottes mit Seele, ein Lebewesen mit all seinen Empfindungen und Gefühlen wie Schmerz, Trauer, Freude, dann müßte er diese Nutztierhaltung aufgeben. Er könnte das Leid dieser Mitgeschöpfe nicht ertragen. Und darum, zu seinem eigenen Schutz, sieht er diese Geschöpfe als “Sache”.Ich habe hierzu mal ein bescheidenes Gedicht geschrieben:
    Seelenlos
    Der Mensch der denkt
    das Tier sei ohne Seel
    der denkt sich dies zu
    seinem Schutz
    weil ein seelenloses Ding
    er nicht gut behandeln muss.

    Indem er dieses denkt
    zeigt er sich ohne Seel
    ein seelenloses Ding
    ich auch nicht
    respektieren muss.

  20. Liebe Tierfreunde, Tierschützer, Tierrechtler,

    Das Leben ist nicht besitzbar. Vor diesem elementaren Hintergrund möchte ich Sie / Euch sowohl in unserem täglichen Engagement als auch in unserer Liebe zu nicht-menschlichen Wesen folgendes sehr ans Herz legen bzw. zu bedenken geben: Leben kann man nicht besitzen, das jeweilige Leben wird uns vom Vater bzw. von der Mutter allen Lebens (Göttlichkeit) anvertraut. Daher empfinde ich es als unangemessen, dass Tierfreunde, Tierschützer, Tierrechtler, Pädagogen, Tierärzte und Tiertrainer in ihrer Ansprache /auf ihren HP` s / in Foren etc. den unguten Begriff “Besitzer” verwenden. Mir ist durchaus bewusst, dass dem Gesetz nach Tiere leider noch als “Sache” umschrieben werden. Dieser durch Politik & Justiz längst überfällig, aber bedauerlicherweise noch nicht beseitigte, absolut respektlose Umstand, ist skandalös und den nicht-menschlichen Wesen gegenüber äußerst unwürdig. Umso konstruktiver / wertvoller ist es doch, dass wir gemeinsam in der Gesellschaft das Bewusstsein dafür ebnen bzw. Politik, Justiz, Industrie, Kirche, Presse, Medien und gedankenlose Mitmenschen dafür sensibilisieren / zu gewinnen versuchen, dass nicht-menschliche Wesen ebenso schutzbefohlen und abhängig sind, wie beispielsweise menschliche Kinder, Alte, Gehandicapte, Kranke, Obdachlose und Arbeitslosengeld-Bezieher. Niemand aus den von mir oben erwähnten Gruppierungen (Politik, Kirche, Justiz, Presse, Medien, Industrie und gedankenlose Mitmenschen), würde es öffentlich wagen bzw. leichtfertig zu behaupten: menschliche Kinder, Alte, Gehandicapte, Kranke, Obdachlose und Arbeitslosengeld-Bezieher seien “Besitz” der Eltern, der Familie, der Politik, Justiz, Kirche und der Gesellschaft, nur weil sie auf unsere Hilfe und Solidarität angewiesen sind.

    Daher mein Appell: Bitte verwendet / verwenden Sie zukünftig in Ihrer / Eurer Ansprache die Begrifflichkeiten: Tier- “halter, od. -freund/e ” – selbsterklärend sind die von mir erwähnten alternativ Begrifflichkeiten nach der jeweiligen Tierschutz-Herausforderung entsprechend einsetzbar. Ich bedanke mich an dieser Stelle herzlich für Ihre / Eure Aufmerksamkeit meinem Anliegen betreffend.

    Herzlichst , Heike-Ingeborg Karwatzki, Contergan-Opfer & Tierversuchsgegnerin
    “Jeder, der aufhört zu lernen, ist alt, mag er zwanzig oder achtzig Jahre zählen.
    Jeder, der weiterlernt, ist jung, mag er zwanzig oder achtzig Jahre zählen.”
    (Henry Ford I)

  21. Hallo Eli, verklagen kann man nicht, sondern nur anzeigen, und dann passiert meistens nichts (siehe Kommentar #15).

    Wenn es sehr gut läuft, erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage, und der Richter spricht ein Tierhalteverbot aus. Das ist aber äußerst selten und kommt auch nur in besonderen Fällen vor – nicht aber, wenn praktisch die ganze Industrie gegen das Tierschutzgesetz verstößt.

  22. Liebes ASS-Team,

    auch aus der Hochburg der Viehhaltung großes Lob für Euer Engagement.
    Allerdings müssen nicht alle Gesetze gut sein! Versteht mich bitte nicht falsch, aber wenn selbst in der Bioschweinehaltung mit viel Stroheinstreu Schwanzbeißereien nicht ausgeschlossen werden können, stimmt doch mit dem Gesetz etwas nicht, bzw. das Verbot des Kupierens wurde ohne wissenschaftliche Grundlage in das Gesetz aufgenommen!???
    Wer einmal in einem Bioschweinestall mit blutigen, angenapperten Schweinen gewesen ist, weiß, was ich meine.
    Ich empfehle den Besuch des Bioschweinestalles im Lehr und Versuchsgut der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe, Haus Düsse.
    Wenn wir die Abschaffung des Kupierens fordern, aber keine Alternativen für den bäuerlichen Familienbetrieb anbieten können, aber das Kupierverbot zum Straftatbestand wird; erzeuge ich damit nicht viel mehr Leiden (durch angefressene Schweine)?

  23. Ich glaube eins der wichtigsten Dinge auf diesem Weg ist am Bewußtsein an der Bewußtwerdung der Menschen zu arbeiten, denn wenn Sie wissen und denken und glauben, das der Mensch die Natur achten muss und alle Geschöpfe, wenn sie wissen wie heilig das ist, dann werden sie es so behandeln. Ich zum Beispiel ich esse Fleisch und immer roh, das ist natürlich für mich und doch achte ich die Tiere und nehme nur was ich brauche und möchte kein Vegatarier werden. Aber ich liebe die Natur und ich sorge für meine Tiere und ich baue Gärten und bete und helfe mit der Kraft meiner Gedanken, das die Welt grün wird und die Menschen klüger,
    bzw tue es durch mein Beispiel

    Ich glaube das die Achtung vor allem der Anfang ist.

    Dazu gehört auch das Menschen sich nicht fertig machen und das Jeder anfängt sich selber ernst zu nehmen.

    Ich denke wenn immer mehr Menschen die Liebe finden in sich zu sich und darum zu allem wird das viel mehr bewirken als bisher.

  24. Hallo Herr/Frau Müller, danke für die Nachfrage, den Punkt hätten wir vielleicht deutlicher machen sollen.

    Es geht nicht darum, dass die Betriebe von heute auf morgen mit dem Kupieren aufhören, denn das hätte in der Tat eine Verschlechterung des Tierschutzes zur Folge.

    Es geht vielmehr darum, dass Konzepte entwickelt und umgesetzt werden, um auf das Schwanzkürzen verzichten zu können, ohne dass es zu Verletzungen kommt.

    Dabei muss den Schweinen vor allem ausreichend Beschäftigungsmaterial zur Verfügung gestellt werden, und evtl. muss auch die Besatzdichte reduziert werden. Auch die Genetik der Tiere und andere Faktoren wie die Luftqualität spielen wohl eine Rolle. Siehe zum Vergleich unsere Kampagne gegen das Schnabelkürzen bei Legehennen – auch hier handelt es sich um ein komplexes Thema.

  25. Zu Eintrag Nr. 15:

    Leider. Ich finde es schon sehr bedenklich, dass ein Rechtsstaat seine eigenen Gesetze nicht durchsetzt und weg schaut, wie diese Gesetze im großen Stil gebrochen werden. Ganz besonders ist das eine Schande für die Exekutive, wenn ein Staatsanwalt sich nicht darum kümmert und Polizeibeamte, deren Job es eigentlich ist, die Einhaltung solcher Gesetze zu kontrollieren, eben nicht kontrollieren. Da braucht man sich doch nur die Thematik der Langstreckentransporte anzuschauen. Die Animals Angels bilden mittlerweile in über 6 Ländern Autobahnpolizeibeamte aus, und zwar mit Mitteln, die vor allem von privaten Spendern zur Verfügung gestellt werden, wozu ich auch gehöre. Mir ist es das Wert, wenn es dazu beiträgt, solchen das Handwerk zu legen, die sich um die Tierschutzgesetze auf Langstreckentransporten nicht scheren, andererseits aber finde ich es schon einen Skandal sondersgleichen, dass eine Organisation, die sich auf den “Nutz”tierschutz bei Langstreckentransporten spezialisiert hat, mit privaten Spendengeldern Autobahn-Polizeibeamte über die geltenden Gesetze aufklären bzw. die Beamten ausbilden muss, damit die Gesetze, die der Staat erlassen hat, überhaupt kontrolliert werden können, denn man kann ja nicht etwas kontrollieren und zur Anzeige bringen, wenn man überhaupt nicht Bescheid darüber weiß, was man eigentlich kontrollieren und zur Anzeige bringen soll. Ich finde es ein Skandal sondersgleichen, weil die Aufklärung und Ausbildung der Polizeibeamten eine hoheitliche Aufgabe wäre, genauso wie das Kontrollieren der Einhaltung der Tierschutzgesetze auf Langstreckentransporten normalerweise eine hoheitliche Aufgabe ist, aber auch diese hoheitliche Aufgabe hat mangels Kenntnis weniger die Exekutive durchgeführt, vielmehr hat sich auch darum eine Tierschutzorganisation kümmern müssen, in diesem Fall die Animals Angels.
    Wenn man sich das mal vor Augen führt, müssen einem doch eigentlich alle Haare zu Berge stehen. Es sei hier aber auch erwähnt, dass nicht automatisch jeden Polizeibeamten eine Schuld trifft, wie denn auch, wenn der Legislativen die Durchsetzung ihrer eigenen Tierschutzgesetze offensichtlich egal ist. Und dass immer mehr Polizeibeamte aus verschiedenen Ländern sich für die spezielle Ausbildung bei den Animals Angels interessieren, zeigt ja auch, dass eine ganze Reihe von Beamten sehrwohl Willens sind, sich fortzubilden. Man bildet sich schließlich nur fort, wenn man über eine Materie nicht Bescheid weiß und zukünftig darüber Bescheid wissen möchte. Leider hat sich das aber noch nicht überall herumgesprochen. Ich selbst habe einmal eine Nagelprobe gemacht, da es hier eine Autobahnwache mit großem Aktionsradius gibt. So habe ich vor einem halben Jahr die oberste Polizeipräsidentin unserer Stadt angeschrieben mit der Anregung, die ihr unterstehenden Autobahnpolizeibeamten auf die Thematik der Langstreckentransporte aufmerksam zu machen und auf die Fortbildungsmöglichkeit bei den Animals Angels hinzuweisen. Bis heute habe ich keine Antwort erhalten. Wenn das keine Bände spricht.

  26. ….. die änderung der zustände liegt allein in der hand der verbraucher, der aber zuerst einmal zeigen muß, daß er ein verantwortungsbewußter mensch sein will. weniger fleischgenuß und vor allem nicht diese ungehörig großen portionen auf dem teller würden dazu führen, daß die schweinemastbetriebe aufgrund weniger nachfragen auch weniger fleisch produzieren könnten.
    wäre das verhalten eines mündigen bürgers nicht der erste schritt, tieren dieses leidvolle leben zu ersparen. und .. bitte, was sind das für menschen, die fleisch von leidenden tieren genießen können.

  27. Liebes ASS-Team,

    ein grosses Dankeschön an Euch und Eurer Engagement für die Tiere dieser Erde.

    Eure Einstellung:

    Zitat:

    “Abschließend möchten wir darauf hinweisen, dass wir auch die gesetzeskonforme Schweinehaltung keinesfalls für artgerecht halten. Wir kämpfen trotzdem für die Einhaltung des Tierschutzgesetzes, weil sie zum einen ein wichtiger Schritt ist, um Tierleid zu vermindern und zum anderen nur so eine Verschärfung der gesetzlichen Rahmenbedingungen Sinn macht.”

    Finde ich persönlich sehr vernünftig. Ein Schritt nach dem anderen zu gehen, ohne dabei das eigentliche Ziel und Eure eigentliche tierfreundliche Haltung aus den Augen zu verlieren, ist der richtige Weg, um Menschen, Behörden zu erreichen und positive Veränderungen für die Tiere zu erwirken.

    Ich bin froh, dass es Euch gibt. Leite Eure Infos und Protestaufrufe regelmässig an meine Freunde und Bekannten per mail weiter. Je mehr Menschen sich beteiligen, desto grösser wird die Kraft, dem Unrecht an den Tieren entgegenzuwirken.

  28. Danke ASS für alle Ihre Mühen. Danke auch an alle Tierfreunde, die begriffen haben, dass heute Verantwortung für die Tiere nicht nur in einer Gesinnungs- sondern in einer gelebten Handlungsethik bestehen muss. Der heutige Mensch braucht kein Fleisch oder irgendetwas vom Tier. Nur dann könnte man sich über die Bedingungen, unter denen Tiere für jedweden Konsum auf dem Rücken ihres Lebens und Wohlbefindens gehalten werden, ernsthaft streiten. Der Mensch lebt jedoch besser und gesünder ohne alles vom Tier und er kommt damit nicht nur seiner vollen Verantwortung gegenüber den anderen Tieren nach, sondern beteiligt sich in einer auch für die menschliche Gesellschaft positiven Rückkoppelung nicht an der durch den Tierkonsum verursachten Umweltzerstörung. Damit beantwortet sich die ethische Frage nach dem wie wir leben sollen für den Einzelnen auf recht unspektakuläre Art und Weise. Schielt der Einzelne allerdings auf die bestehende Ethik der Mehrheit seiner Kultur, gibt er seine persönliche Verantwortung an die Verhaltensweisen der Mehrheit ab und schafft sich damit einen billigen Ablass, um weiter “sündigen“ zu können. Weil fast alle es tun, darf ich es auch?

    Von der ethischen Einstellung und Verhaltensweise des Einzelnen sind die Bemühungen und Möglichkeiten der ASS zu unterscheiden. Politiker, Behörden und Wirtschaftsbosse, damit die Ansprechpartner der ASS, sind mit dem Argument der unteilbaren Ethik solange nicht erreichbar, solange eine Kultur die Verzweckung der Tiere zum menschlichen “Nutzen“ im Rahmen ihrer anthropozentrischen Einstellung als selbstverständlich ansieht, entsprechende “Tierschutz“-Gesetze schafft und daraus Gewinne in Form von positiven BIPs und Außenhandelsbilanzen zieht – auch wenn die Welt darüber untergeht. Langfristig denken diese Herrschaften ohnehin nicht. Es geht um Profit, um schnelle Gewinne, um das Jetzt und nicht das Morgen. Deshalb kann die ASS nicht genauso agieren wie der Einzelne, will sie Erfolge im Rahmen der (leider so) bestehenden Gesetze erzielen. Das hindert uns als Einzelne aber nicht, diese gewordene Denkweise der Mehrheit gründlich zu hinterfragen. Zeigen Sie menschliche Stärke und verweigern Sie diesem System der Tierausbeutung die persönliche Unterstützung. Nur über den ethisch einwandfreien Konsum und damit über den Geldbeutel schmälern wir die Profite der Ausbeuter und haben wir langfristig eine Chance auf eine grundlegende Änderung der bestehenden Gesetzeslage.

    Es waren immer erst Wenige, die sich um Rechte von Lebewesen intensiv kümmerten und sie lebten, während Nutznießer sie nicht oder nur zum Teil anerkannten. Die anderen bewussten, empfindenden und mit Präferenzen ausgestatteten, aber dennoch verzweckten Tiere haben nicht weniger Recht auf ein Leben in selbstbestimmter Freiheit und Würde wie Menschen. Die Welt ist kein Machwerk des Menschen. Es ist lediglich ein irrationaler und in die westliche Kultur eingeflossener Trugschluss, dass die anderen Tiere zum Nutzen des Menschen “geschaffen“ worden wären. Er basiert alleine auf der faktischen Überlegenheit des Menschen, der sich schlicht das Recht herausnimmt, ohne existenzielle Not über die anderen Tiere zu verfügen. Würde man mit uns so verfahren wie wir mit den Tieren, wir sprächen zu Recht von Despoten!

  29. Zu Beitrag Nr. 28:

    Zitat: “Würde man mit uns so verfahren wie wir mit den Tieren, wir sprächen zu Recht von Despoten!”

    Wie wahr. Und genau genommen kam das in der Geschichte immer wieder mal vor. Bedauerlicherweise erkennt die Mehrheit der Bevölkerungen die Bedeutung dieses Gleichnisses nicht. Allein in dieser Blindheit zeigt sich ja schon die größenwahnsinnige Veranlagung des Menschen, wobei sich der Größenwahn an anderer Stelle fortsetzt und sogar noch vervielfacht. Den Menschen drängt es ja unaufhaltsam mittels Gentechnik natürliche Organismen zu manipulieren und gleichzeitig die menschliche Schaltzentrale mit Maschinen zu vernetzen, was entgegen landläufiger Meinung definitiv kein Witz ist. Es gibt Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass der Mensch bis spätestens Ende dieses Jahrhunderts eine neue Spezies erschaffen wird, die in der Menschheitsgeschichte einem einschneidenden Wendepunkt gleichkommt. Es würde mich nicht wundern, wenn es dem Menschen gelänge, ein Wesen heranzuzüchten, dass seine eigenen Schöpfer eines Tages als “Nutz”tiere betrachtet.

    Vermutlich wird der Mensch erst dann die Bedeutung solcher Gleichnisse begreifen, aber dann dürfte es bereits zu spät sein. Ob der moderne Mensch in der Lage ist, solange selbstbestimmt überleben zu können wie etwa der Neandertaler, das muss sich noch zeigen, ich schätze aber, besonders viel Zeit, sich zu besinnen, wird ihm nicht mehr bleiben. Hinzu kommt, dass der heutige Mensch selbst dafür sorgt, dass die noch verbliebenen Tiere von diesem Planeten verschwinden. Es liegt nahe, dass dann an die leer werdende Stelle eines Tages der heutige Mensch rückt, wenn eine neue vom heutigen Menschen selbst gebastelte Spezies kommt.

    Viele moderne Menschen tun sich selbst keinen Gefallen, wenn sie den Tierschutz müde belächeln, denn ich denke, dass der Tierschutz einer der wichtigsten Schlüssel ist, dieses gruselige Zukunftsszenario zu verhindern, denn wer glaubt, dass Menschen, die an Tieren herum manipulieren, davor halt machen werden, an Menschen herum zu manipulieren, der muss schon ganz schön naiv sein.

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