Weiterer Anstieg der Tierversuchszahlen

Veröffentlicht am 25. Okt 2009

Pressemitteilung

affe-tierversuchTrauriger Rekord: Die Tierversuchszahlen in Deutschland sind zum fünften Mal in Folge gestiegen.

2.692.890 Wirbeltiere wurden im Jahr 2008 allein in Deutschland im Namen der Wissenschaft »verbraucht«. Damit setzt sich der Trend der steigenden Tierversuchszahlen ungebremst fort: Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr liegt nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) bei 3,2%.

Die Reaktionen des BMELV sind bekannt: Man lässt einige leere Worthülsen verlautbaren und will die Tierversuchszahlen zum wiederholten Mal von einem Expertengremium auf mögliche »Einsparpotentiale« überprüfen lassen. Wolfgang Schindler, Präsident der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt lässt sich damit nicht abspeisen: »Bislang hat sich durch solche Maßnahmen nichts nennenswertes bewegt. Das BMELV verfolgt zum Thema Tierversuche mit seinen Expertengremien eine reine Feigenblattpolitik.«

Die Forderungen von Tierschützern sind nicht neu. Auf der Agenda stehen Punkte wie eine substantielle Förderung der Alternativforschung, die Veröffentlichung von Ergebnissen, um Mehrfachversuche zu beenden und ein Verbot von Versuchen an Affen.

Diese Forderungen stoßen bei der Bevölkerung auf eine starke Resonanz. »Dass sich Bundesregierung und EU-Kommission trotzdem auf die Seite der Tierversuchslobby stellen, ist erschütternd«, zeigt sich Wolfgang Schindler enttäuscht.

Anmerkung zur Grafik: Im Jahr 2000 wurde das Verfahren zur Erhebung der Tierversuchszahlen verändert. Daher sind die Daten von vor 2000 nur begrenzt mit denen seit 2000 vergleichbar.

tierversuchszahlen2008

Die offiziellen Tierversuchszahlen der letzten zehn Jahre

1998 1.532.572
1999 1.591.394
2000 1.825.215
2001 2.126.561
2002 2.212.376
2003 2.112.341
2004 2.265.489
2005 2.412.678
2006 2.518.267
2007 2.609.483
2008 2.692.890

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8 Kommentare | Zum Kommentarfeld»

  1. Ich war Mitbegründerin einer der ersten Arbeitsgruppen gegen Tierversuche. Damals wurde noch ständig auf die Straße gegangen, überall waren Demos, Infostände, es wurden Unterschriften gesammelt. Tierversuche, von denen vorher kaum jemand wusste, wurden publik gemacht und die Grausamkeiten in Filmen usw. aufgezeigt. Selbst das TV hat Sendungen darüber gebracht. Es ging quasi ein Aufschrei durch die Bevölkerung. Da wurde irgendwann dann tatsächlich die Zahl der verbrauchten Tiere reduziert. Aber das war natürlich nur Augenwischerei. Klammheimlich wurden wieder mehr Tiere verbraucht, die meldepflichtigen Tierversuche wurden nur noch gezählt und veröffentlicht. Und so ist es auch heute noch. Und es scheint auch kaum noch jemand zu interessíeren, dass Tierversuche gemacht werden, dass die Tiere dabei grausam zu Tode gequält werden. Hauptsache, man hat seine (scheinbare) Sicherheit und kann in den Tag hinein leben, weil ja, sollte man erkranken oder einen Unfall haben, alle Mittel und Maßnahmen da sind, um alles wieder in Ordnung zu bringen.
    Damals gab es auch viele kleine Firmen, die Kosmetik ohne Tierversuche herstellten. Von ihnen gibt es heute auch nur noch wenige. Weil es inzwischen auch hier niemanden mehr interessiert, ob Tiere für diese meist überflüssigen Artikel gequält werden. Hier hatte ich eigentlich auf die kritische Jugend gesetzt, aber gerade die kaufen heute alles, selbst wenn man ihnen erzählt, was für ein Leid hinter diesen Sachen steckt. Und es gibt Tausende von Reinigungsmitteln usw., die ebenfalls ohne nachzudenken gekauft werden, obwohl auch für diese meist völlig unnützen Artikel Tiere millionenfach grausam ums Leben kamen.
    Der Mensch denkt nicht mehr, und wenn überhaupt, nur noch an sich. Ich hoffe nur, dass sich das alles eines Tages rächen wird.

  2. Ich verstehe Ihre Verbitterung, Frau Raab, über die geringe Resonanz für unser Anliegen. Trotzdem würde ich Ihrem letzten Satz nicht unterschreiben wollen. Das Verhängnis wird den betroffen Käufern oft schon bei der Benutzung der in Tierversuchen erprobten Waren zuteil. Kennen Sie das Buch: “Die Bombe unter der Achselhöhle” von Dr. Mauz? Franz Konz spricht vom Chemiedreck, der meist den Menschen mehr schadet und nur ausnahmsweise einmal nützt.
    Heute lese ich, dass unter allen Lebensmitteln
    Fleisch und Co. die am meisten vom Bundesamt beanstandeten Lebensmittel sind, über 19%!
    Für Ihren Einsatz meine größte Hochachtung,
    Frau Raab.

    Ehe ich schließe, noch ein Buchtipp: Der Er-
    leuchtung ist es egal, wie Du sie erlangst.
    Erster Satz: Wir alle sind gleichwertige Wesen,
    und das Universum besteht aus unseren gegen-seitigen Beziehungen.
    Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen von
    Herzen
    Kurt Fischer

  3. Der steigenden Zahl von missbrauchten und getöteten Tieren in Tierversuchen und dem von der Pharmalobby ohne jedwede Skrupel und Moral geschürte Irrglaube, dass die Gesundheit des Menschen von Tierversuchen abhängt, kann nur durch informierte Verbraucher und Druck auf die Verantwortlichen in der Politik entgegengewirkt werden. Gesetzesänderungen, die Tierversuche grundsätzlich verbieten und alternative Methoden vorschreiben, sind notwendig, um den Tieren in Zukunft dieses Leid zu ersparen.

    Auch bei uns gibt es ein Tierversuchslabor, dass seit über 40 Jahren mehr oder weniger unbehelligt Tiere in Massen auf grausamste Weise missbraucht und nach Gebrauch entsorgt!

    Wir schauen nun nicht länger weg, sondern haben Vorort eine Bürgerinitiative gegen Tierversuche “Lobby pro Tier – Mienenbüttel” gegründet. (www.lobby-pro-tier.de) Unterstützt von “Ärzte gegen Tierversuche e. V.” wollen wir die Bevölkerung und die politischen Gremien über den “Mythos vom Tierversuch” informieren.

    In diesem Zusammenhang findet am Samstag, den 31. Oktober 2009, um 15:00 Uhr, in Neu Wulmstorf-Ohlenbüttel, im Ohlenbüttler Krug eine Infoveranstaltung statt.
    Frau Dr. med. vet. Gericke, Tierärztin aus Braunschweig und wissenschaftliche Mitarbeiterin von
    Ärzte gegen Tierversuche e.V. wird einen Vortrag halten:

    “Tierversuche – medizinische Notwendigkeit oder grausames Relikt?”

    Wir freuen uns auf viele interessierte Besucher aus Bevölkerung und Politik!

    Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/component/content/article/3-ankuendigungen/362-vortrag-in-neu-wulmstorf-ohlenbuettel-?6d01b8521ebe21a63931ad0a8468adcf=2bcb0f6857b742b8582836620753ccad

  4. Auschwitz fängt da an, wo einer steht und denkt, es sind ja nur Tiere, sagte Theodor W. Adorno.

    Solange es legitim ist in einer Gesellschaft Tiere zum Nutzen und alleinigen Vorteil des Menschen auszubeuten und zu töten, sei es beim mittelalterlichen Tierversuch oder bei der gewinnorientierten Massentierhaltung, solange kann sich diese Gesellschaft nicht wirklich kultiviert nennen.

    Der Umgang mit Schwächeren offenbart den wahren Charakter einer Gesellschaft.

  5. Hallo zusammen,

    @Sabine Bauer: Genau so funktioniert es! Das Böse kann nur da sein, wo das Gute abwesend ist!
    @Annelore Raab:
    Das es keinen Widerstand mehr gegen Tierversuche gibt ist nicht ganz richtig – richtig ist aber, dass sich Menschen leider an bestimmt Dinge gewöhnen, wenn etwas immer wieder mit gleichen Argumenten vorgetragen wird. Es läuft einfach irgendwann ins Leere….

    Heute in dieser kapitalistischen Welt müssen wir diese Leute einfach mit Ihren eigenen “Waffen” schlagen. Tierversuche sind teuer, Testergebnisungenauigkeit von knapp 30 % sollte sich kein Konzern mehr leisten dürfen zudem sind Tierversuche ein Hinweis dafür, dass das Unternehmen nicht innovativ ist und an einer Methodik festhält, die schlichtweg veraltet ist. EDV-Programme, Forschung an menschlichem Zellmaterial bringen bessere und schnellere Ergebnisse.

    Wenn jemand nicht nur hier diskutieren oder mal eben eine E-Mail unters Volk bringen will, sollte sich einfach an Menschen für Tierrechte wenden. Was kann ich tun, wie kann ich mich einbringen? Auch diese Organ ist für jeden Unterstützer od. Mitstreiter dankbar! Die Tiere brauchen UNS und zwar nicht hier in diesem Portal. Vielleicht ist es dem einen oder der anderen schon aufgefallen, dass es NICHT nutzt, ständig zu kommunizieren wie schlimm die Welt doch ist. Jede/r kann etwas zu einer Bewegung beitragen.
    Aber es ist wie in der Politik. Anstelle, dass die Tierschützer die Tierschutzpatrei wählen, werden die Grünen gewählt. Sind die überhaupt noch ökologisch? Tierfreundlich sind sie ja schon seit einer Weile sicher nicht mehr (siehe Zustimmung für das neue Boehringer-Labor in Hannover). Aber die Grünen sind ja schon im Parlament vertreten und die Stimme für die Tierschutzpartei ist ja ohnehin verloren…. Auf diese Art und Weise wird sich genau nichts – einfach nichts in diesem Land ändern. Wie soll denn so aus einer Minderheit eine Mehrheit werden? Ich für meinen Teil bin aktiv und versuche das zu tun, was in meiner Macht steht und das jeden Tag bei Kaufentscheidungen, natürlich veganem Lebensstil, organisiert in verschiedenen Verbänden etc. Kommt schon – die Tiere brauchen uns!

  6. Das ist ja entsetzlich !
    Ich kann mich erinnern, dass wir in den 80er und Anfang der 90er Jahre eine starke Bewegung gegen Tierversuche hatten.
    Und seitdem ?
    Immer, wenn nicht mehr so lauthals protestiert wird, steigt die Zahl der Tierversuche wieder an.
    Also, was können wir tun ?
    Wo sind die Gruppen, die etwas machen, wo kann ich mich anschließen, wo kann ich Unterschriften sammeln, wo kann ich protestieren ?
    Für alle Hinweise bin ich sehr dankbar !
    Kommt, wir schließen uns zusammen – für die Tiere !
    Christa Senberg

  7. Ein sehr ernstes Thema.
    Deswegen müssen wir unsere EU-Parlamentarier anschreiben, so dass sie dem Antrag zur Förderung alternativen Methoden zu Tierversuchen unterstützen!
    http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//NONSGML+WDECL+P7-DCL-2009-0053+0+DOC+PDF+V0//DE&language=DE

  8. Tierversuche sind eines der traurigsten Kapitel in unserer Gesellschaft.
    Leider sind bei uns Politik und Wirtschaftsinteressen total verwoben.
    Wir dürfen trotzdem nicht locker lassen.
    Wir haben sehr viel Macht; wir müssen sie in immer höherem Maße nutzen.

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