Aktuelle Beiträge

Recherche: Gravierende Tierschutzprobleme in der deutschen Milchwirtschaft

Eine Recherche in 14 deutschen Betrieben fördert untragbare Zustände zutage. Die Organisationen Compassion in World Farming (CIWF) und die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlichen umfangreiche Ergebnisse sowie sendefähiges Material.

Angekettete MilchkuhWährend einer Recherche in 14 süddeutschen Milchkuhbetrieben wurden gravierende Tierschutzprobleme und verdreckte Ställe dokumentiert. Gemeinsam mit »Compassion in World Farming« fordert die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt insbesondere das Ende der Anbindehaltung von Milchkühen, bei der die Tiere sich kaum bewegen können. In 79% der besuchten Betriebe wurden die Tiere in Anbindehaltung gehalten (der Bundesdurchschnitt liegt bei 27%) - in einigen Fällen ganzjährig und 24 Stunden am Tag.

Die Rechercheergebnisse zeigen die Momentaufnahme einer Industrie, die Kühen das Ausleben ihrer Grundbedürfnisse verweigert, indem sie sie vielfach ankettet und das ganz Jahr über in teils schmutzigen Ställen hält. Die Tiere werden außerdem darauf hin gezüchtet, mehr Milch zu geben, als es ihre Körper verkraften, was zu frühen Schlachtungen führt.

Die deutsche Milchindustrie erfreut sich eines guten Rufs. Konsumenten stellen sich Kühe vor, die - wie es auf Verpackungen regelmäßig abgebildet wird - im Freien grasen. Doch die Realität sieht anders aus. Das Rechercheteam fand ausgemergelte Kühe vor, die angekettet waren und deren einzige Bewegungsmöglichkeit darin bestand, aufzustehen und sich wieder hinzulegen. Außerdem wurden Kühe vorgefunden, deren Schwänze dauerhaft hochgebunden waren, was das Vertreiben von Fliegen unmöglich macht.

Mahi Klosterhalfen, geschäftsführender Vorstand der Albert Schweitzer Stiftung, kommentiert die Szenen folgendermaßen: »Die Bilder enthüllen die Wahrheit hinter der Werbung mit glücklichen Kühen. Wir fordern die Verbraucher auf, ihr Konsumverhalten zu überdenken.«

Peter Stevenson von CIWF sagt: »Der gute Ruf der deutschen und europäischen Milchindustrie zeigt sich in vielen Fällen als völlig unverdient. Die Haltung von Milchkühen ohne jeden Auslauf entwickelt sich immer mehr zum Standard.«

Das Rechercheteam von CIWF besuchte außerdem 38 Betriebe in Dänemark und Spanien. In Dänemark gehörten völlig ausgemergelte Tiere zur Tagesordnung. Auch hier war die Haltung ohne Auslauf weit verbreitet.

In Spanien wurden den Tieren teilweise die Schwänze amputiert. Diese Prozedur ist nicht nur schmerzhaft, sondern verursacht auch dauerhaften Stress, da die Tiere Fliegen und andere Insekten nicht vertreiben können. Sie ist außerdem illegal. Auch hier waren viele Tiere ausgemergelt.

Die Bilder setzen ein Ausrufezeichen hinter die Forderung, endlich europäische Mindeststandards zur Milchkuhhaltung festzusetzen, um den 23 Millionen Kühen in der EU zumindest ein grundlegendes Schutzniveau zukommen zu lassen. Solche europaweiten Vorschriften gibt es derzeit nicht.

Die Mindestanforderungen an Haltungsvorschriften lauten:

  • regelmäßiger Freilauf
  • die Festlegung eines Mindestplatzangebots für die Tiere
  • ein Verbot der Anbindehaltung
  • Vorschriften, um Lahmheit, Mastitis und anderer weitverbreiteter Probleme Herr zu werden

Fotos, Videomaterial und Hintergrundinformationen

Video

Sie möchten nichts Wichtiges vepassen?
Sie erfahren, wie Sie sich für die Tiere einsetzen können, und erhalten Informationen über wichtige Tierschutzthemen.