QS antwortet (nicht)
Unser offener Brief an die QS Qualität und Sicherheit GmbH wurde von Oliver Thelen, Prokurist bei QS, beantwortet. Zur Erinnerung: Das blaue QS-Siegel ist u.a. auf diversen Fleischprodukten zu finden und weckt bei vielen Verbrauchern den Eindruck, es würden hohe Tierschutzstandards eingehalten.
»Sehr geehrter Herr Klosterhalfen,
sehr geehrte Damen und Herren,
auf der Webseite der QS Qualität und Sicherheit GmbH informieren wir umfassend über QS-Ihr Prüfsystem für Lebensmittel. Wir möchten Sie bitten, sich auf unserer Webseite kundig zu machen.
Wir sind sicher, dass Sie dort Antworten auf alle Ihre Fragen finden werden.
Mit freundlichen Grüßen
Oliver Thelen«
Wir sind der Bitte gefolgt und haben die QS-Webseite nochmals studiert. Tatsächlich konnten wir einige – aber bei weitem nicht alle – Antworten finden. Hier noch einmal die Fragen und die (aus unserer Sicht) richtigen Antworten:
1. Ist es richtig, dass Sie im Jahr 2008 weniger als ein Drittel aller Ihrer landwirtschaftlichen Systempartner kontrolliert haben? Falls ja: Warum halten Sie solch eine niedrige Kontrolldichte für ausreichend?
Ja, die Quote von weniger als einem Drittel ist korrekt. Warum diese Kontrolldichte ausreichend sein soll, erschließt sich uns nicht.
2. Stimmt es, dass praktisch alle Kontrollen angemeldet sind?
Dazu konnten wir keine Antwort finden. Wir vermuten: ja.
3. Als Begründung für angemeldete Kontrollen hören wir, dass die Anwesenheit von Mitarbeitern vor Ort sichergestellt werden muss. Dieses Argument überzeugt uns nicht, da es ein Leichtes wäre, den Betrieben z.B. einen Tag pro Monat vorzugeben, an denen zuständige Mitarbeiter vor Ort zu sein haben. Gibt es bessere Gründe für angemeldete Kontrollen?
An dieser Stelle war unsere Internetrecherche auf den QS-Seiten vollkommen ergebnislos. Wir würden uns über eine Antwort von Herrn Thelen freuen.
4. Im Jahr 2008 haben Sie bei fast 24.000 Kontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben nur in 68 Fällen (0,28%) Mängel festgestellt. Können Sie den Vorwurf ausräumen, dass diese niedrige Quote entweder aufgrund der Anmeldungen oder ggf. durch zu laxe Kontrollen zustande kommt?
Auch hier benötigen wir die Hilfe von Herrn Thelen.
5. Im Jahr 2007 haben Sie 92 Sanktionsverfahren gegen landwirtschaftliche Betriebe eingeleitet. Was ist aus diesen Verfahren geworden? In wie vielen Fällen wurden Bußgelder verhängt? In welcher Höhe? In wie vielen Fällen wurden Teilnehmer aus dem QS-System ausgeschlossen?
Und wieder ist die QS-Seite entweder nicht so transparent wie von Oliver Thelen beschrieben, oder wir haben uns bei der Recherche ausgesprochen ungeschickt angestellt.
6. Als Beispiel für Verstöße erwähnen Sie die „wiederholte Überschreitung der maximal zulässigen Bestandsdichte bei Geflügel.“ Ist die einmalige Überschreitung kein Verstoß bzw. wird bei einmaliger Überschreitung kein Sanktionsverfahren eingeleitet?
Wir gehen stark davon aus, dass der Text auf der Webseite wörtlich zu nehmen ist, und die einmalige Überschreitung der maximal zulässigen Bestandsdichte nicht geahndet wird.
7. Wie rechtfertigen Sie es, dass Dr. Roland Fechter, der in den neunziger Jahren für einen der größten Schweinemast-Skandale in Bayern sorgte, nach seiner Haftentlassung beratende Funktionen für QS-Betriebe übernommen hat?
Selbst eine spezielle Site-Suche von Google führte uns zu keiner Antwort. Daraus schließen wir vorerst, dass sich QS zum Fall »Dr. Roland Fechter« nicht äußern will. Vielleicht mag Herr Thelen uns aufklären.
8. Am 17.06.2009 waren auf ARD Brisant Szenen einer Ferkelkastration in einem QS-Betrieb zu sehen. Verteidigend muss man sicherlich sagen, dass die schmerzlindernden Maßnahmen nach der Kastration nicht erwähnt wurden. Unabhängig davon: Ist es mit den QS-Regeln vereinbar, dass den Ferkeln die Hoden herausgerissen werden? Falls nicht: Haben Sie irgendwelche Schritte gegen die Prignitzer Landschwein GmbH eingeleitet?
Auf der QS-Webseite steht viel darüber, dass möglichst bald auf die Kastration verzichtet werden soll. Auch dass die eigentliche Kastration ohne schmerzlindernde Maßnahmen vorgenommen wird, ist zwischen den Zeilen zu lesen: Die Schmerzen werden nämlich erst nach der Kastration gestillt. Ob das Herausreißen von Hoden ein Normalfall ist, wird auf den Seiten nicht erklärt. Über den Fall der Prignitzer Landschwein GmbH finden wir nichts.
Wir bitten Herrn Thelen, die noch offenen Fragen zu klären und es uns mitzuteilen, falls wir die Ausführungen auf den Internetseiten von QS falsch interpretiert haben.
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