Nächste Umwelt-Fleisch-Studie, Dänemark schlägt Steuer vor

Veröffentlicht am 17. Feb 2009

Nächste Umwelt-Fleisch-Studie, Dänemark schlägt Steuer vor. Foto: alb_MarcosDelegierte der prestigeträchtigen American Association for the Advancement of Science (AAAS) schlagen vor, den Fleischkonsum weg von Rind, hin zu Schweine- oder Hühnerfleich umzustellen. Oder noch besser: insgesamt weniger Fleisch zu essen.

Laut AAAS werden bei der Produktion von einem kg Rindfleisch 16 kg CO2 emittiert. Bei Schweinefleisch seien es 4 kg und bei Geflügel noch 1,6 kg CO2.

Die AAAS hat recht: Bei Geflügelfleisch ist die Klimaschädigung deutlich geringer als bei anderen Fleischsorten. Allerdings sind Masthühner so überzüchtet (auch in der Biohaltung) und die Haltungsbedingungen sind so schlecht, dass eine Umstellung auf mehr Geflügel kein begrüßenswerter Schritt sein kann.

Aus Dänemark kommt ein Vorschlag, den hierzulande schon der WWF gemacht hat: Die Emmissionen von Nutztieren sollten besteuert werden. Ein dänischer Bauer wehr sich mit dem Argument, dass Kühe so oder so »rülpsen und auch hintenherum Gas ausscheiden«. Ob dies besteuert würde oder nicht, sei der Kuh egal. Daher bestehe kein Lerneffekt und die Steuer sei sinnlos.

Bleibt die Frage, bei wem hier der Lerneffekt noch nicht eingetreten ist. Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht macht die direkte Besteuerung von Emissionen nämlich durchaus Sinn.


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  1. Fleischsteuer

    Ökologische Auswirkungen des Fleischkonsums
    Die durch Fleischerzeugung und –verzehr verursachten Belastungen und zerstörerischen Auswir- kungen auf die Umwelt wurden von verschiedener Seite erforscht und belegt. Die Welternäh- rungsorganisation FAO, das World Watch Institut, der World Wide Fund For Nature WWF, die US-Umweltschutzbehörde EPA, die UN-Ernährungskommission und andere haben nachgewiesen, dass die landwirtschaftliche Tierzucht und die Fleischverarbeitungsprozesse schlimmere Verursacher der Umweltzerstörungen sind als die Privathaushalte und die Industrie.
    Hier nur eine Auswahl aus den zahlreichen Fakten:
    Land und Böden: Etwa 65 % der landwirtschaftlichen Fläche der Erde werden für Viehweiden und den Anbei von Futterpflanzen benutzt, und zwar mit steigender Tendenz. Der größte Teil der pflanzlichen Erträge wird zur Tierernährung verwendet (darunter allein 1,3 Milliarden Rinder). Überdüngung der Böden durch die Gülle (60 Liter täglich pro Rind).
    Wasser: Für die Herstellung von 1 kg Fleisch wird eine vielfache Menge Wasser benötigt als für 1 kg Getreide, wobei die Fleischindustrie der größte Wasserverschmutzer ist. Auch die Überfischung der Meere hat verheerende Folgen für die Öko-Systeme der Meere.
    Atmosphäre und Klima: Die zweitwichtigste Ursache für den Klimawandel ist die Fleisch- produktion. Vieh erzeugt 37 % des Methan-Ausstoßes, das 23mal stärker zur Klimaerwärmung beiträgt als Kohlendioxid. 65 % der Lachgas-Emissionen stammen aus der Viehzucht, vor allem aus Stallmist. Die industrielle „Nutztier“-Haltung produziert mehr klimawirksame Gase als das gesamte Transportwesen.
    Regenwälder: Allein in Brasilien wurden seit 1960 70 % der Wälder abgeholzt, um für Weideflächen und den Soja-Anbau Platz zu machen.

    Der Zusammenhang mit der Welternährung ist offenkundig. Die Importe der Getreideberge und Sojabohnen, die Millionen von Rindern, Schweinen, Puten, Masthühnern vorgeworfen werden, entziehen den armen Ländern eine Lebensgrundlage – das Vieh der Reichen frisst das Brot der Armen. Ein Drittel der weltweiten Getreideernte wird an Vieh verfüttert. Da die Weltbevölkerung und auch ihr Verlangen nach Fleisch weiter zunimmt, ist eine noch größere Ernährungskrise vorprogrammiert. Nach einer Prognose der FAO wird sich die weltweite Fleischproduktion bis 2030 verdoppeln. Angesichts der zunehmenden Bevölkerung und der ebenso fortschreitenden Boden- erosionen, angesichts der mit der Viehaltung verbundenen Tierschindereien kann der Fleisch- konsum nur ein Schandtat genannt werden. Ohne den exzessiven Verbrauch an tierischem Eiweiß könnte man mit den Anbauflächen die mehrfache Zahl an Menschen ernähren, und zwar gesünder und umweltschonender. Umweltschutz, Menschenrechte und Tierschutz gehören zusammen.
    „Die wirkliche Frage ist, ob wir mit dem vorhandenen Getreide Menschen oder Tiere versorgen wollen – und darüber möchte kein führender Politiker sprechen.“ (Jeremy Rifkin)

    Fleisch- und Futtermittelbesteuerung als Teil der ökologischen Steuerreform
    Die ökologischen Kosten (wie Verbrennung fossiler Brennstoffe, Absenkungen des Grundwassers, chemische Verseuchung der Böden, Erzeugung von Ammoniak und Methangas; auch Kosten für das Gesundheitswesen) fließen nicht in die Fleisch-Verbraucherpreise ein.
    Wenn man diese Kosten den Fleischkonsumenten aufbürden würde, müsste sich der Fleischpreis mindestens verdreifachen. So das World Watch Institute, Washington. PAKT hatte bereits 2000 in seinen “Agrarpolitischen Leitlinien” (Kap. “Neues Selbstverständnis der Nutztierhaltung als Bestandteil einer ökologischen Steuerreform”) die Erhebung einer Fleischsteuer analog zur Brannt- wein- und Tabaksteuer vorgeschlagen. „Diese kann auch für den Fall als Steuerungsinstrument eingesetzt werden, dass eine kostenneutrale Neuorientierung der Agrarsubventionen nicht möglich sein sollte. Bedenkt man das Emissionsvolumen einer industrialisierten Intensivtier- haltung, muss eine solche Fleischsteuer als Bestandteil einer ökologischen Steuerreform ohnehin als obligatorisch betrachtet werden. Im Unterschied zur ökologischen Mineralölbesteuerung sollte sie jedoch budgetbezogen zur Reformierung bzw. Förderung einer extensiven Landwirtschaft verwendet werden.“
    Inzwischen haben sich auch Organisationen wie WWF und PETA die Forderung nach einer Besteuerung von Fleisch und demgemäß auch von Futtermitteln zu eigen gemacht. Denn nur so, nicht allein durch Appelle, kann der Fleischkonsum wirkungsvoll eingedämmt werden.
    Im einzelnen wäre an einen Steuersatz von 30 % auf Fleischprodukte zu denken. Jedoch: Je tierfreundlicher die Haltung, desto geringer die Steuer. Wegen der Ausgabenneutralität und besseren Akzeptanz sind im Gegenzug Obst und Gemüse steuerlich zu entlasten.
    Fleischwerbung ist zu verbieten.
    Dieses Konzept fügt sich ein in das Modell der ökologischen Steuerreform: Umweltschädliches steuerlich belasten, Umweltfreundliches entlasten – siehe Anlage.

    Dieser Antrag wird hiermit zur Diskussion gestellt mit Bitte um Annahme. Im Fall der Annahme wäre es Aufgabe der an der „Allianz“ beteiligten Organisationen, das Konzept nachhaltig zu propagieren.

    Edgar Guhde
    für PAKT e.V.
    August 2008

  2. Der Weltagrarbericht zeigt ebenfalls die Zusammenhänge zwischen Fleischkonsum und Klima auf. Es ist zu berücksichtigen, dass die ökologische Landwirtschaft aufgrund des geringeren Pestizideinsatzes (Futtermittel werden ja oft stark gespritzt) und aufgrund des Verzichts von Import von Futtermitteln aus Ländern in denen Regenwald oder Cerrados dafür zum Opfer fallen sich weniger klimaschädlich auswirkt als die konventionelle Tierhaltung.

    Entsprechend sollte auch die Steuer gestaffelt sein. So würden gleich zwei Staatsziele, das des Umweltschutzes als natürliche Lebensgrundlage und das des Tierschutzes endlich bei der Steuergesetzgebung berücksichtigt. Steuern sind ein Lenkungsinstrument – man sollte sie nutzen! Wenn auch Importe besteuert werden, kann auch niemand von Wettbewerbsverzerrung sprechen. Die Bevorteilung des ökologischen Landbaus kann sogar Arbeitsplätze schaffen, weil dieser arbeitsintensiver ist.

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