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Massentierhaltung und Antibiotikaresistenzen

Veröffentlicht am 9. Jan 2010

Die industrielle Tierhaltung produziert mehr als Fleisch, Milch und Eier: Die Beweislage verdichtet sich, dass ein Nebenprodukt der Massentierhaltung Krankheitserreger sind, denen unsere gängigen Medikamente nichts anhaben können.

Das liegt daran, dass ein großer Teil antimikrobieller Wirkstoffe an die sogenannten »Nutztiere« verfüttert wird, seitdem bekannt wurde, dass diese das Wachstum der Tiere beschleunigen. Bei der Dosierung achtet man auf Wirtschaftlichkeit, was dazu führt, dass oft weniger Medikamente verabreicht werden, als für die Bekämpfung von Krankheitserregern notwendig ist.

Alexander Fleming sagte dazu in seiner Nobelpreis-Rede im Jahr 1945, dass es leicht sei, seiner großen Erfindung, dem Penicillin, die Wirkung zu nehmen. Nämlich, indem man Bakterien mit Dosierungen in Kontakt bringt, die nicht ausreichen, um die Bakterien zu töten.

Seitdem ist die Wissenschaft zu weiteren Erkenntnissen gelangt: Resistenzen bilden sich früher oder später auch bei einer korrekten Dosierung der Medikamente. Außerdem können Mikroorganismen nicht nur lernen, eigentlich giftige Stoffe zu überleben, sie können ihre Resistenz auch weitergeben. Das Resultat: Auch ungefährliche Erreger aus der Massentierhaltung können zur Gefahr werden, wenn sie gegen Antibiotika resistent sind und diese Eigenschaft an einen gefährlichen Krankheitserreger im Körper des Menschen weitergeben.

Wissenschaftler sind besorgt, dass sich diese Gefahr fast täglich erhöht. Sie haben in diversen Studien untersucht, wie die industrielle Tierhaltung zur Bildung und Verbreitung von resistenten Erregern beiträgt. Die Ergebnisse sind schockierend:

Prof. Silbergeld an der Hopkins Universität hat festgestellt, dass 50% aller untersuchten Mitarbeiter auf Geflügelfarmen E. coli in sich trugen, das Resistenzen gebildet hatte. Bei Menschen, die nicht auf Geflügelfarmen arbeiten, wurde sie nur in 3% aller Fälle fündig. Sie fand weiterhin, dass es ausreichte, eine Zeit lang hinter Tiertransporten herzufahren, damit sich antibiotikaresistente Krankheitserreger an den Armaturen im Auto absetzen können.

Prof. Kellogg Schwab von der John Hopkins Universität testete die Luft in Schweinemastanlagen. Er fand nicht nur diverse Krankheitserreger, sondern konnte auch nachweisen, dass 98% der Erreger gegenüber zwei oder mehr Antibiotika resistent waren. Bei einem weiteren Test stellte Prof. Schwab fest, dass Oberflächen und Grundwasser in der Nähe von Schweinemastbetrieben bis zu 33mal so viele Krankheitserreger beinhaltete als Wasser, das mit den Abwässern der Mastbetriebe nicht in Berührung kam.

Jay Graham von der Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung (USAID) fand heraus, dass Fliegen sehr wahrscheinlich resistente Krankheitserreger von Massentierhaltungsanlagen in andere Gebiete verschleppen können.

Die Liste der Studien ließe sich fast beliebig lange fortsetzen.

Was sagt die Agrarlobby?

Die Massentierhaltungs-Lobby behauptet, sie hätte den Einsatz von Antibiotika in den letzten Jahren massiv gesenkt und würde Antibiotika ohnehin nicht standardmäßig als Wachstumsförderer einsetzen. Weiterhin gibt sie eigene Studien in Auftrag, die zu dem Ergebnis kommen, dass das Absetzen bestimmter Medikamente in der Mast für den Menschen gefährlicher ist als deren weitere Verwendung. Außerdem wird bezweifelt, dass niedrige Dosierungen von Antibiotika überhaupt ein Problem seien (da hat man wohl die Worte von Alexander Fleming, dem Penicillin-Erfinder, nie gehört). Und schließlich behilft man sich einer Ausrede, die immer gut ist: Es liegen angeblich noch nicht genug Daten vor.

Wir helfen mit einigen Daten nach: In den USA sind im letzten Jahr mehr als 65.000 Menschen an resistenten Bakterien gestorben.

Prof. Silbergeld sagt dazu: »Manchmal denke ich, dass unsere Spezies so dumm ist, dass wir es nicht verdienen, auf diesem Planeten zu überleben.«

Quelle: Dieser Artikel basiert zum größten Teil auf »Farmacology« von Dale Keiger.

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