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Künast erschlägt Fisch

Veröffentlicht am 15. Sep 2009

In der ARD-Sendung »Abgeordnet« hat Grünen-Politikerin Renate Künast einen Fisch gehalten, damit ein Kind ihn erschlagen konnte. Danach hat sie selbst zugeschlagen.

Sehen Sie dazu unsere Fotostrecke.

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt ist vom Verhalten von Frau Künast enttäuscht. In der Sendung stellt Renate Künast zwar die Frage: »Was machst du mit Mitgeschöpfen?« in den Raum und berichtet von Überlegungen, Vegetarierin zu werden, zieht daraus aber keine Konsequenzen. Mit einem Achselzucken sagt sie: »Aber wenn der Fisch nachher gut schmeckt…«. Das ist nicht nur aus Tierschutzsicht, sondern auch vom ökologischen Aspekt her enttäuschend.

Wir haben Frau Künast um eine Stellungnahme gebeten und werden diese veröffentlichen, sobald sie uns erreicht. Neben aller Kritik sei erwähnt, dass Frau Künast auch Verdienste im Tierschutz hat. Vor allem das Verbot der Legebatterien – später von Hort Seehofer (CSU) größtenteils wieder aufgehoben – zählt dazu.

Antwort aus dem Büro Künast

»Sehr geehrter Herr Klosterhalfen,

erlauben Sie mir zunächst ein paar Worte zur Einordnung der von Ihnen kritisierten Angelszene: Frau Künast war für die Sendung „Abgeordnet“ des SWR einen Tag lang auf dem konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Schlögl in Peiting zu Gast. Das Konzept der Sendung sah vor, dass Frau Künast die Landwirte einen Tag lang begleitet und bei verschiedenen Tätigkeiten mithilft. Neben Stallausmisten, Kühe füttern und melken sowie Zäune reparieren gehörte dazu auch der Fang einiger Forellen und Saiblinge aus dem privaten Fischteich der Schlögls für das Abendessen. Beim Angeln mit dabei waren der Landwirt und sein Sohn.

Sich beim Angeln filmen zu lassen, ist u.U. für eine grüne Politikerin überraschend. Frau Künast hat dies im beschriebenen Rahmen des vom SWR gestalteten Ablaufes getan.

Das Fischfilet oder das Steak, das auf unseren Teller landet, stammt von einem Lebewesen. Natürlich ist es nicht normal, persönlich ein Tier zu töten. Aber weil die meisten Menschen heute beim Einkauf eines eingeschweißten Steaks oder eines Rollmops im Glas gar keine Verbindung mehr zu dem Lebewesen herstellen, ignorieren sie auch, dass Tiere millionenfach für die Nahrungsmittelproduktion getötet werden. Tierquälerische Massentierhaltung und Überfischung der Meere sind unserer Meinung nach leider auch deswegen so weit verbreitet, weil viele Menschen verdrängen, woher Fisch und Fleisch auf ihrem Teller stammen.

Bündnis 90/Die Grünen wollen, dass sich Fleisch und Fisch essende Verbraucherinnen und Verbraucher bewusst sind, dass sie durch ihre Kaufentscheidung beeinflussen können, wie die Tiere vorher gelebt haben. Uns geht es darum, dass die Tiere, die wir essen, so gehalten werden, dass sie artgerecht leben, nicht leiden und fachgerecht getötet werden. Zu letzterem gehört, beim Angeln, den Fisch zunächst mit einem oder mehreren Schlägen auf den Kopf oberhalb der Augen zu betäuben. Dies hat Frau Künast fachgerecht getan. Sie haben Recht, dass die Szene, in der das Kind auf den Fisch schlägt, diesem Grundsatz nicht gerecht wird. Der Vater hat deshalb auch eingegriffen.

Bündnis 90/Die Grünen haben sich in der deutschen Parteienlandschaft und in allen Parlamenten immer am entschiedensten für die Belange des Tierschutzes eingesetzt. Wir haben gemeinsam mit den Tierschutzverbänden dafür gesorgt, dass der Tierschutz als Staatsziel in der Verfassung verankert wurde. Als Verbraucherschutzministerin hat Frau Künast ein Verbot der Käfighaltung von Legehennen durchgesetzt – das die schwarz-rote Regierung leider wieder aufgehoben hat.
Aus unserer Sicht ist es besonders wichtig, dass die Massentierhaltung und das millionenfache tägliche Schlachten im Akkord aufhören. Auch deshalb haben wir in dieser Legislaturperiode einen Entwurf für ein neues Tierschutzgesetz vorgelegt, der im Mai von der tierschutzpolitischen Sprecherin Undine Kurth mit einem Vorwort von Renate Künast vorgelegt wurde. Es handelt sich hierbei nach Expertenmeinung um einen Meilenstein in der Tierschutzgesetzgebung.

Auch in der nächsten Wahlperiode werden Bündnis 90/Die Grünen dem Tier- und Artenschutz hohe Priorität in der politischen Arbeit einräumen, z.B. durch die Einbringung des genannten Entwurfs für ein Tierschutzgesetz.

Wir hoffen dabei auf Ihre Unterstützung und kritische Begleitung.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Rade
Büroleiter der Fraktionsvorsitzenden Renate Künast«

Nachtrag: Barbara Rütting hat aufgrund der oben beschriebenen Ereignisse Ihren Austritt bei den Grünen verkündet. Sie unterstützt jetzt die Tierschutzpartei.

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