(Fast) alle gegen Ziegen-Massentierhaltung
Der Widerstand gegen die geplante Ziegen-Massentierhaltung in Niedersachsen wächst. Jetzt hat sich auch der Bundesverband Deutscher Ziegenzüchter e.V. (BDZ) auf seiner Mitgliederversammlung klar gegen das Projekt ausgesprochen: Das Image der deutschen Ziegenhaltung und ihrer Produkte stehe auf dem Spiel.
In der Tat plant die Firma Petri-Feinkost (bekannt durch die Ziegen-Frischkäse-Marke »Crementell«) ein ungeheuerliches Projekt: Ein Landschaftsschutzgebiet soll Ziegenställen weichen, in denen bis zu 7.500 Tiere untergebracht werden sollen. Durch Regelung von Temperatur und Lichtverhältnissen will die Firma Petri-Feinkost offensichtlich den Biorhythmus der Ziegen durcheinander bringen, um das ganze Jahr über einen stetigen Milchfluss zu erzeugen.
Protegiert wird das Projekt von den niedersächsischen Ministern Ehlen (Landwirtschaft, CDU) und Sander (Umwelt, FDP). Was die Minister offensichtlich nicht stört, ist, dass die ganzjährige Stallhaltung von Ziegen gegen europäisches Tierschutzrecht verstößt. Die Minister stellen eine entsprechende europäische Sollbestimmung als mehr oder weniger freiwillig einzuhalten dar und vergessen dabei – aus Unwissenheit oder wider besseres Wissen -, dass das Bundesverfassungsgericht die Sollbestimmung als verbindlich eingestuft hat. Die Hürden für eine Ausnahmeregelung liegen so hoch, dass für Stallneubauten keine Ausnahmen gemacht werden können. Nur alte Ställe dürfen – unter sehr gewichtigen Gründen – die Sollbestimmung verletzen. Mehr dazu hier.
Auch das Totschlagargument »Arbeitsplätze« greift nicht. Gerade einmal 6-10 neue Stellen will die Firma Petri-Feinkost schaffen – mindestens 750 Ziegen sollen also von einer Person betreut werden. Wenn man bedenkt, dass unter normalen Bedingungen eine Familie 100 Ziegen betreut, ist damit zu rechnen, dass unterm Strich Arbeitsplätze verloren gehen. Denn die neue Ziegenmilchfabrik würde die Preise drücken und könnte somit familiäre Betriebe in den Ruin treiben.
Ungereimtheiten um den Verkauf des Geländes für die Ziegenmilchfabrik und um Abwasserkosten, die wohl auf die Anwohner abgewälzt werden sollen, machen den Skandal perfekt.
Diese Artikel könnten Sie ebenfalls interessieren:
- Käfig ade: fast alle deutschen Legehennen bald in alternativer Haltung
- Erfolge gegen Tierfabriken
- Der Kampf gegen die Käfighaltung in den USA






