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Agrarverbände, das Klima und Frankensteintiere

Veröffentlicht am 8. Dez 2009

puteAus aktuellem Anlass berichten die Medien momentan verstärkt über das Thema »Klimawandel«. Viel zu selten, aber zumindest vereinzelt, wird dabei auch über einen der Hauptverursacher – die industrielle Fleischproduktion – gesprochen.

Das ruft natürlich Lobbyverbände wie den Deutschen Bauernverband (DBV) auf den Plan, der schon in der Vergangenheit mit durchschaubaren Tricks versucht hat, die Klimabilanz der Agrarwirtschaft schön zu rechnenAuch jetzt nimmt es der DBV mit der Wahrheit wieder nicht ganz so ernst, wenn er behauptet, der »Genuss von Lebensmitteln [sei] für den Verbraucher im Wesentlichen CO₂-neutral« und »Verzichtstrategien [seien] aus Klimaschutzgründen wenig zielführend«.

Die Tricks und Lügen des DBV könnte man prinzipiell mit Humor nehmen, denn schon längst ist in wissenschaftlich seriös arbeitenden Kreisen unbestritten, dass die Fleischproduktion für mindestens 18% der von Menschen verursachten Treibhausgase verantwortlich ist. Allerdings ist zu befürchten, dass die Agrarlobby politisch noch so einflussreich ist, dass das Thema »Fleisch« in Kopenhagen kaum thematisiert wird. Aber es gibt Grund zur Hoffnung: Die ersten politischen Entscheider reagieren. Die Stadt Gent bewirbt den vegetarischen Donnerstag, und auch in den Niederlanden wird ein solcher Schritt momentan diskutiert. Prominente wie Paul McCartney unterstützen diese Bewegung dringen mit ihrer Botschaft »Less Meat = Less Heat« inzwischen bis ins EU-Parlament vor. Sie werden dabei von anerkannten Wissenschaftlern wie Rajendra Pachauri, der Friedensnobelpreisträger und Vorsitzender des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ist, unterstützt.

Wenn die Verbände der Agrarindustrie aufgrund dieses Drucks doch einmal über das Problem der Klimaerwärmung durch tierische Produkte sprechen, haben Sie in der Regel gleich eine Lösung parat: Die Tiere müssen noch weiter überzüchtet werden, damit sie in noch kürzerer Zeit noch mehr Fleisch, Milch und Eier produzieren. So rechnet die industrienahe Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) vor, dass deutsche Kühe (stark überzüchtet, vor allem in Stallhaltung) dank einer im Vergleich zu neuseeländischen Kühen (weniger stark überzüchtet, Auslauf) doppelt so hohen Milchleistung knapp 30% weniger Methan pro Liter Milch emittieren. Laut FNL heißt es daher: »Mehr Milch pro Kuh ist aktiver Klimaschutz«.

Das Problem dabei: Wir haben bereits Frankensteintiere gezüchtet. Kühe haben gigantische Euter bekommen, die immer wieder entzündet sind, Masthühner brechen unter ihrem eigenen Gewicht zusammen, Schweine sind extrem anfällig für Krankheiten geworden und Puten können sich vor lauter angezüchteter Brustmuskulatur nicht mehr auf natürlichem Weg fortpflanzen. Und jetzt heißt die Lösung der Agrarverbände also »weiter so, aber bitte noch mehr davon«.

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt spricht sich vehement gegen die fortschreitende Überzüchtung von Tieren aus. Verbraucher, die den Weg der Agrarindustrie nicht unterstützen wollen, sollten die entsprechenden Produkte nicht kaufen. Das gilt meistens auch für Bioprodukte, denn dort werden in aller Regel die gleichen »Nutz«tierrassen eingesetzt wie in der konventionellen Massentierhaltung.