Agrarindustrie wirbt um Akzeptanz
Da »emotional sehr aufgeladene Tierschutzdiskussionen« die »Akzeptanz der tierischen Produkte gefährden«, wollen die industriellen Tierhalter Deutschlands durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit um die »Rückendeckung der Öffentlichkeit« werben. Der Bauernverband beklagt, dass Medien und Mitbürger zunehmend die »Veredelung mit ganz anderen Augen [sehen] als die Landwirte.«
Ein großes Problem für die Agrarindustriellen ist offensichtlich, dass die »Tierliebe zu Haustieren auf Nutztiere übertragen« wird. Warum es aber falsch sein soll, Schweinen und Hunden, die sich in den Aspekten der Intelligenz, sozialer Komplexität und Leidensfähigkeit sehr ähnlich sind, das gleiche Maß an Tierliebe zukommen zu lassen, erläutert der Bauernverband nicht.
So oder so, der Bauernverband scheint die Lösung in einer Quasi-Transparenzoffensive zu sehen: »Interessierte Mitbürger müssten die Möglichkeit erhalten, authentisch die Tierhaltungen zu erleben und die Möglichkeit erhalten, mitten durch einen normalen Puten- oder Schweinestall oder eine Milchviehanlage gehen zu können.« Solche offenen Ställe solle es möglichst bald in allen Regionen geben.
Dieses Vorhaben kann nach unserer Einschätzung nur mit Tricksereien umgesetzt werden. Dass ein Normalbürger, der zum Ende der Mastperiode in einen durchschnittlichen Putenstall geht, aus diesem sofort wieder rückwärts herauslaufen wird, dürfte auch dem Bauernverband klar sein. Die Lösung wird wahrscheinlich darin liegen, der Öffentlichkeit vor allem Jungtiere zu zeigen, denn bevor die Masttiere ihr Gewicht innerhalb kürzester Zeit vervielfachen und darunter zum Teil zusammenbrechen, sieht es in den Ställen noch einigermaßen sauber und geräumig aus.
Das Vermitteln von realistischen Bildern sei ein mühsames Geschäft, sagt der Bauernverband. Ausnahmsweise eine Aussage, der sich mehr oder weniger auch die Tierschützer anschließen können: Das Erstellen und Verbreiten realistischer Bilder wird den Undercover-Filmern wahrlich nicht leicht gemacht.
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